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Der heilige Golfgral: Real Club Valderrama

Valderrama, ein Name, der Ehrfurcht und Verlangen gleichermassen im Golfsport auslöst. Er ist eine Legende und verkörpert die Essenz des Golfsports auf höchstem Niveau, weshalb der Golfclub mit seinem Golfplatz zu den besten weltweit zählt. Der Real Club Valderrama, wo das 18-Loch-Greenfee locker die 500-Euro-Marke durchbricht und bei jedem passionierten Golfer und Golferin die Schmerzgrenze ausreizt. Ein exklusiver Platz, gestaltet von Robert Trent Jones Sr., scheint die Limits des Golfspielens zu definieren. 

Bevor du jedoch die Gelegenheit hast, deinen Fuss auf den edlen Rasen von Valderrama zu setzen, wirst du charmant darauf hingewiesen, dass der exklusive Mitgliederclub eine strenge Etikette hat, die eingehalten werden muss. Falls ihr also plant, auf dem Golfplatz via FaceTime bei euren Freunden anzugeben oder genüsslich auf eure selbstgeschmierte Halfway-Stulle abzielt, könnt ihr euch das gleich aus dem Kopf schlagen. Während der Runde stehen kostenlos Früchte und Wasser zur Verfügung. Zudem fährt der Snack-Cart mehrmals vorbei.

Bei der Einfahrtskontrolle empfing uns das Sicherheitspersonal mit einer kühlen Höflichkeit, wobei sie besonders auf Greenfee-Spieler zwischen 11 und 14 Uhr eingingen – Zeiten, die für Nicht-Mitglieder verfügbar und bereits vollständig ausgebucht sind. Wie bei anderen exklusiven Mitglieder-Plätzen ist auch hier die Verfügbarkeit der Startzeiten begrenzt. 

Die Reservierung einer Startzeit für eine Runde auf Valderrama ist keine einfache Aufgabe, doch es gibt einen guten Grund dafür. Der Golfclub setzt sich leidenschaftlich dafür ein, dass seine Plätze nicht überbeansprucht werden. Dies gewährleistet nicht nur, dass der Platz das ganze Jahr über in nahezu perfektem Zustand bleibt, sondern trägt auch dazu bei, die Umweltauswirkungen des Golfplatzes zu minimieren. Tatsächlich ist Valderrama stolzer Träger des vollen Audubon-Status – ein ökologisches Gütesiegel für Exzellenz auf dem europäischen Kontinent.

Als das strahlende Clubhaus in meinem Sichtfeld auftauchte, vereinten sich Vorfreude und ein Schmetterlingsgefühl in meinem Bauch. Mein Grinsen wurde so breit wie das von Victor Hovland, wenn er weit oben auf dem Leaderboard steht. Es war mehr als nur ein Anblick – es war für mich ein emotionaler Höhepunkt, der die Vorfreude auf das Kommende intensivierte. Vor allem wegen seines Rufs verstärkte sich das Gefühl noch. Im Pro-Shop treffen wir auf den deutschen Profi Martin Kaymer, der die Startzeit vor uns hat und wir erfahren, dass er hier öfter anzutreffen ist. 

Der Real Club Valderrama befindet sich inmitten der privaten Gemeinde Sotogrande. Ursprünglich wurde er 1974 als Sotogrande New eröffnet. Da der Real Club de Golf Sotogrande, der (alte) Club und der „Sotogrande New“ nicht zusammengehören, wurde er 1981 in Las Aves umbenannt, bevor er 1984 vom Milliardär Jaime Ortiz-Patiño erworben wurde. Er war es dann auch, der dem Club den Namen Valderrama gab. Der königliche Status wurde 2015 von König Carlos I. verliehen, seit 2017 befinden sich der Club und seine Anlagen im Besitz der Mitglieder. Berühmte Golfer wie der The Open-Champion Henry Cotton und der Ryder Cup-Held Tony Jacklin hinterliessen als Golfdirektoren ihre Spuren.

Die Sonne begrüsste mich mit strahlendem Licht, der Himmel ist babyblau. Das Wetter im Dezember mit 20 Grad ist einfach perfekt. Unsere Tee-Time sollte um 12:00 Uhr beginnen. Erst 45 Minuten vor Abschlag darf man auf die Range, wo vorbereitete Ball-Pyramiden für das Warm-up bereitstehen. Wir wussten bereits im Voraus, dass uns andere Spieler zugeteilt werden würden – da in Valderrama nur volle Flights rausgehen dürfen. Aufgrund der winterlichen Nebensaison und der wenigen Gäste heute gingen wir aber nur mit unserem Caddie auf die Runde. 

Im Real Club Valderrama ist für Nicht-Mitglieder ein Forecaddie obligatorisch. Normalerweise ist das kein herkömmlicher Golf-Caddy, der dir die Tasche trägt. In Valderrama ermöglichen die Forecaddies ein flüssiges Spiel und unterstützen die Gastspieler ohne Platzkenntnis. “Unten in der Box findest du eine ausführliche Erklärung zur Geschichte und Bedeutung des Forecaddies im Golfsport.”

Also bedeutet das für uns Gäste, dass wir verpflichtet sind, einen Fore-Caddy zu buchen. Die Kosten belaufen sich auf 60 € zzgl. Trinkgeld. Unser Forecaddie heisst Antonio, er golft seit 35 Jahren und arbeitet weit über 10 Jahre als freier Caddie auf allen Golfplätzen der Region.
Das Loch Nummer 4, Par 5, bekannt als La Cascada.
Spielbahn 11: Hier scheint das Grün direkt unter dem Himmel zu enden, als ob die Grenze zwischen Erde und Firmament verschwimmt.
Die 15. Ein langes Par 3 über einen bewachsenen Graben.
Das verflixte 17. Loch, ein Par 5, was Tiger zum Verhängnis wurde.

Hier stehe ich nun, meine Beine leicht zittrig auf der ersten Teebox des legendären Real Club Valderrama. Meine Gedanken tanzen vor positiver Erwartung, während eine enthusiastische Atmosphäre den alltäglichen Trubel für einen kostbaren Moment in den Hintergrund rückt. Doch auf einem Golfplatz mit solch Prestige ist es nicht allein der Score, der im Mittelpunkt steht, sondern vielmehr das einzigartige Ambiente. Der Real Club Valderrama in Sotogrande ist für viele Golfer:innen ein Sehnsuchtsziel, das es mindestens einmal im Leben zu geniessen gilt. 

Valderrama präsentiert sich als ein normaler Parklandkurs mit schmalen Bahnen, die von einer Vielzahl von uralten Korkeichen flankiert werden. Bäume mit ihren tief hängenden Ästen sind ein wiederkehrendes Merkmal der Runde und zweifellos eine Hauptverteidigung des Golfplatzes. Grundsätzlich nicht allzu anspruchsvoll, solange man gerade schlägt, aber die eigentliche Schwierigkeit zeigt sich auf den Grüns. Obwohl wir oft nach dem zweiten Schlag bei einem Par 4 bereits das Grün erreicht hatten und einige Chancen für ein Birdie in greifbarer Nähe lagen, gestaltete sich das Einlochen unerwartet beschwerlich. Der Golfball schien sich wie von Zauberhand selbstständig zu machen und verfehlte das Loch. Mir kamen die anspruchsvollen Greens wie Schlachtfelder vor, auf denen man ohne die Hilfe des Caddies leicht verloren gehen konnte. 

Antonio kennt jeden Winkel des Platzes, gibt präzise Tipps zum Ausrichten und zum Einlochen. Man muss sich darauf einlassen, was er sagt. Die Atmosphäre ist durchaus angespannt, während ich hochkonzentriert versuche, seinen Ratschlägen zu folgen. Aber mal ehrlich, die Schlaglänge genau einzuschätzen und das dann auch umzusetzen, ist eine Kunst für sich. Wenn das nicht klappt, kann das für beide Seiten frustrierend werden. 

Das Loch Nummer 4, bekannt als La Cascada, gilt zwar als das charakteristische Loch des Golfkurses, aber das 17. Loch, ein Par 5, ist viel berühmter und berüchtigter. Auf diesem Loch gibt es ein stark gewelltes Grün, das steil zum Wasserhindernis davor abfällt. Antonio plauderte aus dem Nähkästchen. Man spürt seinen Stolz auf diesem Golfplatz als erfahrener Caddie arbeiten zu können. Natürlich sprechen wir hier über den Albatros, den Miguel Ángel Jiménez während der zweiten Runde des Volvo Masters 1994 erzielte. Dieser Schlag zählt zu den berühmtesten Momenten in der Geschichte der European Tour. Eine Gedenktafel erinnert an dieses Ereignis. Dreizehn Jahre später wiederholte Graeme McDowell beim Volvo Masters 2007 dieses beeindruckende Kunststück. Das magische 17. Loch des Real Club Valderrama, ein Ort, der schon Jahre zuvor Tiger Woods in seiner ganzen Pracht herausgefordert hatte, bleibt eine wahre Ikone. Um so schöner fühlt es sich an, wenn man dieses Loch mit einem Bogey abschliesst. 

Die zweite Hälfte des Kurses präsentiert sich insgesamt hügeliger, was vor allem an heissen Sommertagen einen Golfwagen empfehlenswert macht. Dennoch bietet das Laufen des Platzes eine einzigartige Möglichkeit, die ansprechenden Highlights voll zu erleben und das Design regelrecht zu spüren. Es eröffnen sich stets neue, faszinierende Perspektiven, die man im Vergleich zu einer Fahrt mit dem Cart sonst vielleicht verpassen würde. Allerdings war zu beachten, dass der Platz nicht den exzellenten und schwierig spielbaren Zustand aufwies, den man von berühmten Turnieren kennt. Wir stellten zudem fest, dass die Fernsehbilder alles etwas anders darstellen als die Realität, obwohl wir einzelne Punkte wiedererkannten. Im Sommer wurde erstmals die LIV Golf Tour hier ausgetragen, und sie verleiht Valderrama einen modernen und zeitgemässen Glanz. 

Gut zu wissen:

Die Geschichte und Bedeutung des Forecaddies im Golfsport sind eng mit der Entwicklung des Spiels selbst verknüpft. Der Ausdruck “Fore” im Golf, der eng mit der Rolle des Forecaddies verbunden ist, hat eine faszinierende Geschichte. Ursprünglich bedeutet das englische Wort “Fore” so viel wie “Front” oder “Vorderteil”. Die genaue Herkunft des Begriffs “Fore” im Golfsport ist nicht vollständig geklärt. Eine Theorie besagt, dass der Ausdruck aus der militärischen Praxis stammt, bei der Kanonenschüsse mit “Beware, before” angekündigt wurden, um die eigenen Truppen zu warnen. Dieser Ruf wurde später im Golf als “Fore!” adaptiert, um Spieler und Zuschauer vor einem fehlgeleiteten Ball zu warnen.

Eine andere Theorie verbindet den Ausdruck “Fore” mit der Rolle des Forecaddies. Da Golfbälle früher teuer und schwer zu finden waren, wurden Forecaddies eingesetzt, um die Bälle zu verfolgen und ihren Verlust zu minimieren. Dies war besonders bei Turnieren der Fall. Der Begriff “Forecaddie” könnte sich dann zu “Fore!” verkürzt haben, um auf einen ankommenden Ball hinzuweisen.

 

Die königliche Ehrung der “Real” Golfclubs: Von Monarchen geadelt und von jedermann bespielbar, ist die Verbindung von Golf und Königtum eine jahrhundertealte Tradition. Die Anerkennung dieser Verbindung durch die königliche Hoheit begann im Jahr 1833, als William IV. der Perth Golfing Society das Privileg verlieh, das königliche Prädikat im Clubwappen und Namen zu führen. Diese Tradition hat sich inzwischen weltweit verbreitet, mit über 132 königlichen Golfplätzen in Ländern, in denen die Staatsform die Gründung königlicher Clubs erlaubt – Spanien eingeschlossen. Obwohl die Quellen durch den Nebel der Zeit verschleiert sein mögen, besteht kein Zweifel daran, dass die Geschichte und Entwicklung dieser Verbindung seit über 500 Jahren fest miteinander verwoben sind.

In Spanien sind königliche Golfclubs ein bedeutender Bestandteil auf dem europäischen Kontinent. Ganze 18 Clubs tragen stolz das Prädikat “Real” in ihrem Wappen. Insbesondere in Sotogrande geht dies Hand in Hand mit dem Golfboom, der hier in den sechziger Jahren seinen Höhepunkt erreichte. In Spanien gibt es kein einheitliches Muster oder klare Richtlinien für die Vergabe des Titels “Real”. Valderrama erhielt seine Ehrung im Jahre 2015. 

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