Crans-Montana – der Name allein klingt schon nach grossen Abschlägen und noch grösseren Erlebnissen. Wenn du Golf liebst, kommst du an diesem Alpenjuwel nicht vorbei. Jedes Jahr verwandelt sich das kleine Bergdorf in den Schweizer Alpen in den ultimativen Treffpunkt der Golfelite: Die Omega European Masters locken die Besten der Besten auf den Severino Ballesteros-Platz. Dass hier das Gras grüner ist als woanders, steht in Crans-Montana ausser Frage.
In Crans, dem mondäneren Teil des Doppelortes, dreht sich dann alles um Golf, Glamour und Genuss. Und ja, auch ein perfekt getroffener Golfball macht sich vor dieser Kulisse besonders gut. Kein Wunder, dass sich Stars wie Sergio Garcia eine Wohnung direkt am Platz gesichert haben. Adam Scott hat sogar gleich seinen offiziellen Wohnsitz hierher verlegt. Verständlich – wer würde diesem Panorama und diesem Platz freiwillig den Rücken kehren?
Bevor es auf die Runde geht, treffen wir zum Lunch Clubmanager Pascal Schmalen im Restaurant Le Sporting, dem kulinarischen Herzstück des Clubs. Die Speisekarte ist italienisch inspiriert. Während wir Pasta und Pizza geniessen, verrät Pascal, dass das Clubhaus bald eine Frischzellenkur bekommt – Renovierungspläne, die genauso spannend sind wie das nächste Turnier.
Interview mit Pascal Schmalen über den modernen Klassiker
Der ehemalige Profispieler Pascal Schmalen lenkt seit 2015 als Manager die Geschicke des Golfclubs Crans-sur-Sierre – der prestigeträchtigen Heimat der Omega Masters.
NineteenGolf.Guide: 2019 wurde das Layout des Platzes modernisiert. Was hat sich konkret verändert?
Pascal Schmalen: Da hat sich einiges getan! Wir haben neue Seen und strategisch platzierte Sandbunker hinzugefügt, um den Platz an die aktuellen Anforderungen des Turniergolfs anzupassen. Man muss bedenken: Golf entwickelt sich ständig weiter. Junge Spieler hauen Drives raus, die uns früher nur im Traum gelungen wären – da mussten wir reagieren. Das Ganze wurde aus dem Omega-Fonds finanziert und hat einige Millionen gekostet. Aber das zeigt auch: Ein Platz mit Geschichte darf nicht in der Vergangenheit stehen bleiben.
NineteenGolf.Guide: Der Platz gilt als Parkland-Kurs mit offenen Fairways und wenig Rough – aber während des OMEGA European Masters scheint er ein anderes Gesicht zu zeigen.
Pascal Schmalen: Absolut! Unter normalen Bedingungen ist der Platz einladend – breite Fairways, kaum Rough, ideal für eine entspannte Golfrunde. Aber sobald das Turnier ansteht, wird hier auf „Tour-Level“ umgestellt: Die Fairways werden messerscharf getrimmt, die Grüns sind so schnell, dass man sie am liebsten mit der Hand bremst, und die Bunker werden zu echten Prüfsteinen. Das ist ein Kurs mit Turnier-Biss! Wer hier im Sommer spielt und dann während des OMEGA Masters zuschaut, erkennt den Platz kaum wieder.
NineteenGolf.Guide: Golfen in dieser Höhe – ist das ein Vorteil oder eher eine Herausforderung?
Pascal Schmalen: Beides! Die dünnere Luft macht nicht nur die Aussicht atemberaubend, sondern auch die Drives. Der Ball fliegt weiter, was sich super anfühlt – bis man merkt, dass auch die Annäherungsschläge ein bisschen mehr Feingefühl brauchen. Aber ganz ehrlich: Jeder, der hier ein paar Meter extra herausholt, fühlt sich sofort wie ein Pro. Selbst Bogey-Golfer erleben hier einen kleinen Höhenflug.
NineteenGolf.Guide: Pascal, es gibt aufregende Neuigkeiten bezüglich des Jack Nicklaus Platzes. Kannst du uns mehr darüber erzählen?
Pascal Schmalen: Absolut! Direkt nach den Omega European Masters 2024, also ab September, starten wir mit den Umbauarbeiten, um den Jack Nicklaus Platz von neun auf zwölf Löcher zu erweitern. Unser Ziel ist es, den Spielern ein noch abwechslungsreicheres und herausfordernderes Erlebnis zu bieten mit einer geplanten Eröffnung zur Saison 2025.
NineteenGolf.Guide: Pascal, der Golfclub Crans-sur-Sierre erstreckt sich über beeindruckende 60 Hektar. Wie wichtig ist die Pflege jedes einzelnen Grashalms?
Pascal Schmalen: Extrem wichtig! Gerade in einem so prestigeträchtigen Club wie unserem, wo Jahr für Jahr das Omega European Masters stattfindet, muss jedes Detail stimmen. Vom perfekten Fairway bis zum akkurat gepflegten Rough – alles trägt zum Gesamterlebnis bei. Aber es geht nicht nur um Ästhetik, sondern auch um Nachhaltigkeit.
NineteenGolf.Guide: Der Golfsport arbeitet seit Jahren an einer nachhaltigen Zertifizierung. Wie weit ist Crans-sur-Sierre in diesem Prozess?
Pascal Schmalen: Wir sind auf einem sehr guten Weg! Unser Ziel ist es, den Platz umweltfreundlicher zu gestalten, ohne Kompromisse bei der Qualität einzugehen. Gerade beim Wasserverbrauch haben wir grosse Fortschritte gemacht – in den letzten Jahren konnten wir den Verbrauch um rund 30 Prozent reduzieren.
NineteenGolf.Guide: Das ist beachtlich! Wie habt ihr diese Einsparung erreicht?
Pascal Schmalen: Einer der Schlüssel war der Austausch alter Bewässerungssysteme durch effizientere, moderne Technologien. Zudem setzen wir gezielter auf trockenresistente Gräser, die weniger Wasser benötigen. Gerade in Hitzewellen ist das enorm wichtig – wir müssen mit unseren Ressourcen intelligent haushalten.
NineteenGolf.Guide: Das Rough und die Bunker bekommen also genauso viel Aufmerksamkeit wie das Grün?
Pascal Schmalen: Absolut! Unser Rough wird genauso liebevoll gepflegt wie das Fairway – es soll eine spielbare Herausforderung sein, aber keine Strafzone. Und was die Bunker betrifft: Die unterschätzt man oft! Es gibt klare Kriterien wie Sandhärte und Dichte, damit die Spieler eine einheitliche Erfahrung haben. Wir haben sogar einen Mitarbeiter, der sich ausschliesslich um die Bunker kümmert – er kennt wirklich jedes einzelne Sandkorn!
NineteenGolf.Guide: Apropos Details – wie viel Aufwand steckt in den ästhetischen Feinheiten des Platzes?
Pascal Schmalen: Eine Menge! Allein die Blumen 25’000 Franken gekostet. Aber sie sind ein wichtiger Teil des Platzes – sie geben ihm Charakter und unterstreichen die Schönheit unserer einzigartigen Lage in den Alpen.
NineteenGolf.Guide: Nachhaltigkeit, Perfektion und Liebe zum Detail – das klingt nach einer riesigen Herausforderung.
Pascal Schmalen: Das ist es auch, aber genau das macht unseren Platz aus. Wer hier spielt, soll nicht nur ein herausragendes Golf-Erlebnis haben, sondern auch sehen, dass wir Verantwortung übernehmen – für die Natur, die Nachhaltigkeit und die Zukunft des Sports.
NineteenGolf.Guide: Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Pascal!
Pascal Schmalen: Sehr gerne – und jetzt ab auf den Platz!
Vergiss dein Handicap – geniesse den Moment
Der Himmel strahlt in einem perfekten Babyblau, und kleine Schäfchenwolken schweben dekorativ über dem saftigen Grün des Fairways. Mit jedem Schlag geniessen wir den unvergleichlichen Ausblick auf die südliche Alpenkette, wo sich Matterhorn und Mont Blanc in der Ferne präsentieren. Die schneebedeckten Gipfel wirken wie das Sahnehäubchen auf dieser Postkartenidylle.
Ein Golfplatz mit einem solchen Renommee verpflichtet – unsere Erwartungen sind hoch, und das Wetter macht es uns nicht leicht, die Konzentration zu halten. Das 13. Loch mit Inselgrün und seiner natürlichen Tribüne für Zuschauer ist unser Highlight. Heute bleiben zwar die Ränge leer und der Applaus fehlt, aber die Faszination bleibt dieselbe. Das Gefühl, ein Par zu spielen, wo sonst die Golfelite bei den OMEGA European Masters um den Sieg kämpft, ist schlicht überwältigend. Wer das Turnier schon einmal im Fernsehen oder gar live verfolgt hat, weiss genau, wovon wir sprechen.
Ja, wir könnten jetzt weiter endlos erzählen, wie wir uns heldenhaft aus dem Fairway-Bunker befreit haben. Oder wie der Drive am Dogleg des 7. Lochs eine Flugbahn hatte, die selbst ein Adler neidisch bestaunen würde. Aber weisst du was? Wir verzichten darauf. Warum? Golf hier ist nicht nur eine Sportart, es ist ein Gefühl. Eine Szenerie, die man nicht mit geschönten Scores abbilden kann. Es ist der Moment, wenn der Ball in der Alpenluft segelt und du vergisst, dass du ihn eigentlich gerade getoppt hast. Es ist das Innehalten auf dem Grün, weil der Blick auf die Berggipfel dich für eine Sekunde daran erinnert, dass es Wichtigeres gibt als den letzten versauten Schlag.
Ausserdem, wenn du uns kennst, weisst du, dass wir ungern jedes Loch im Detail beschreiben – denn wozu? Die Magie dieses Platzes liegt nicht in der Anzahl der Bunker. Sie liegt in den unzähligen kleinen Momenten, in denen du dein Spiel, den Platz und alles um dich herum wahrnimmst. In dem, warum du Golf liebst. Der Platz hier ist eigentlich auch nichts anderes als ein Golfplatz. Und wie so oft deine ganz eigene Bühne für grosse Träume, kleine Dramen und diese unbeschreiblichen Glücksmomente, die man nur versteht, wenn man selbst einmal hier gespielt hat. Also ersparen wir uns und dir die technischen Details.
Eines bleibt jedoch unbestritten: Seve hat hier kein Streichelzoo-Fairway für Anfänger geschaffen. Dieser Platz ist ein echter DP World Tour-Parcours, der selbst Profis ins Schwitzen bringt – und Amateure an den Rand der Golfphilosophie führt. Wer hier abschlägt, braucht nicht nur einen soliden Schwung, sondern auch Nerven wie Stahlseile. Oder eben den Mut, das Ganze mit einer guten Portion Humor zu nehmen.
Ach und noch eine kleine Kuriosität am Rande: Warum an den Ballreinigungsautomaten Golfhandtücher von St. Andrews und Pebble Beach abwechselnd hängen, bleibt ein ungelöstes Rätsel. Vielleicht ein subtiler Hinweis auf den Anspruch, mit den grossen Ikonen des Golfsports mitzuhalten. Und ehrlich gesagt, diese Details liefern doch immer den besten Gesprächsstoff im Clubhaus.
Die Geschichte des Golf Club Crans-sur-Sierre ist eine faszinierende Reise durch die Golfgeschichte – geprägt von britischem Einfluss, Krieg und einer kontinuierlichen Evolution hin zur Weltspitze des Golfsports.
Die ersten Pläne für den Platz haben sich bereits 1905 in den Köpfen der Briten Freemantie und Gedge materialisiert. Ihr Auftrag war einen Golfplatz entwerfen und zu bauen, der dem altenglischen Parkland-Stil alle Ehre macht. Gesagt, getan – zumindest bis der Erste Weltkrieg dazwischenfunkte und den Platz in eine unfreiwillige Brachlandschaft verwandelte. Doch Golf gibt nicht so leicht auf: 1924 folgte die Wiedergeburt mit der Gründung des Golf Club Crans-sur-Sierre.
1939 wurde hier erstmals die Swiss Open ausgetragen – zu einer Zeit, in der die Schweiz mehr Käsesorten als Golfplätze zählte (die Schweiz hatte damals gerade einmal elf Golfclubs). Mit den Jahren wuchs das Turnier und schaffte es 1983 in den Kalender der European Tour. Seither rollt beim Omega European Masters nicht nur der Ball, sondern auch die grossen Namen der Golfwelt über das Fairway.
Um dem wachsenden Anspruch eines Spitzenevents gerecht zu werden, wurde 1995 ein ganz Grosser ins Boot geholt: Severiano „Seve“ Ballesteros – ein Mann, der den Golfball aus jeder erdenklichen Lage besser befreite als Houdini aus seinen Ketten. Der charismatische Spanier, gefeiert als Ryder-Cup-Kapitän und lebende Legende, verwandelte den Platz in ein Meisterwerk, das selbst Tour-Profis ins Schwitzen bringt. Sein Händchen für magische Schläge wurde in jedem Winkel des Kurses verewigt – und wer hier vom Rough aus noch ein Par retten kann, verneigt sich innerlich vor Seves Genie. Tragischerweise verstarb Ballesteros 2011, doch sein Geist schwingt auf diesem Platz weiter mit. Besonders auf der Schlussbahn, wo eine Gedenktafel an seinen legendären Wunderschlag erinnert: ein Ball, der aus einer Waldlichtung heraus mit chirurgischer Präzision aufs Grün segelte – um dann mit einem meisterhaften Chip perfekt versenkt zu werden.
Der kleine Bruder von Jack Nicklaus
Damit ist natürlich nicht wortwörtlich ein Bruder von Jack Nicklaus gemeint – denn den gibt es gar nicht. Er hat lediglich eine Schwester namens Marilyn. Gemeint ist vielmehr der kleine Golfplatz-Bruder des grossen 18-Loch-Kurses auf der anderen Seite. Dieser kompakte 9-Loch-Platz wurde von Jack Nicklaus persönlich gestaltet und trägt deshalb seinen berühmten Namen.
Während auf dem grossen 18-Loch-Kurs die Stars der Tour um Birdies kämpfen, hat sich auf der gegenüberliegenden Strassenseite eine kleine, aber feine Golfperle etabliert. Der 9-Loch-Platz, einst 1951 unter dem Namen „Les Xirès“ geboren, bekam 1988 ein echtes Upgrade: Kein Geringerer als Jack Nicklaus nahm sich des Kurses an und verlieh ihm seinen berühmten Namen – und natürlich seinen unverkennbaren Designstil.
Doch damit nicht genug: Der „kleine Bruder“ bekommt Zuwachs! Nach den Omega European Masters 2024 startet die nächste Evolutionsstufe – aus neun Löchern werden zwölf. Das Design-Team von Nicklaus steckt bereits tief in den Plänen, und am 6. Loch treffen wir sogar einen Architekten, der geduldig an den neuen Raffinessen feilt. Wir sind gespannt, welche Herausforderungen und Überraschungen die Erweiterung bereithält – ein perfekter Grund, bald wieder die Golfschläger zu schwingen! #staytuned
Luxushotel LeCrans Hotel & Spa in Crans-Montana
Auf den blühenden Bergwiesen wachsen die Kräuter, die später in den berühmten Ricola-Kräuterbonbons landen. Und ja, das Murmeltier frisst hier
Wandern im Wallis – Berghütte Le Relais de Colombire
Irgendwo meckert die Ziege und trottet schliesslich fröhlich über die Wiese, während wir ganz ohne Trubel, aber mit einer frischen