Hinter der kleinen Bahnlinie ändert sich die Luft. Sie riecht nach Meer, hinter den Dünen rauscht der Atlantik, und draussen auf dem Wasser zieht ein einzelnes Segelboot seine Linie durch das Blau. Vor uns liegt ein Fairway zwischen Sandhügeln und struppigem Dünengras. Die Szenerie erinnert eher an Schottland als an die Algarve. Wir stehen auf der Praia-Schleife von Palmares Ocean Living & Golf bei Lagos, und an diesem Tag spielen wir nicht nur die Links unten am Meer, sondern alle 27 Löcher des Palmares Golf Club. Ausser uns ist dabei kaum jemand unterwegs.
Der Golfplatz selbst bekommt seinen eigenen Artikel, denn hier geht es um das, was nach der Runde auf uns wartet: die Palmares Signature Apartments. Sie haben unser Herz im Sturm erobert. Und ganz ehrlich? Wir könnten uns tatsächlich vorstellen, hier ein paar Wochen den Winter zu verbringen.
Palmares Signature Apartments: Wohnen statt Einchecken
Vom Fairway aus betrachtet sehen die Signature Apartments aus wie ockerfarbene Würfel, die jemand mit ruhiger Hand in den Hang gestapelt hat. Dazwischen stehen Zypressen und Schirmpinien, davor silbriges Buschwerk, dann ein heller Bunker und gleich dahinter die weisse Fahne von Loch 9. Man sieht den Gebäuden an, dass sie sich der Landschaft unterordnen sollen und nicht umgekehrt. 37 Apartments mit einem bis drei Schlafzimmern gibt es hier. Die erste Phase wurde 2023 eröffnet. Warum die erste Phase? Weil hier noch lange nichts fertig ist. Doch dazu weiter unten mehr.
Drinnen steht die grosse Schiebetür zur Terrasse offen, und das Licht fällt flach über den hellen Steinboden. Eine offene Küche, ein Esstisch und ein Sofa, das bequemer ist, als es einem produktiven Nachmittag guttut. Die Kissen sind sogar noch weicher, und so kam es, dass ein zweistündiges Nickerchen unumgänglich war.
Das Interieur ist modern, puristisch und stilvoll, ganz so, wie wir es mögen, und es bietet reichlich Platz für alles, was man im Golfurlaub so mit sich herumschleppt. Es ist schlicht cosy. Man streift die Schuhe ab, breitet sich im Wohnzimmer aus und bereitet sich morgens den ersten Kaffee an der Nespresso-Maschine in der eigenen Küche zu. Ein Hotelzimmer fühlt sich anders an. Das hier fühlt sich an wie zu Hause, nur mit Golfplatz vor der Tür.
Wie selbstverständlich der Service hier zu einem nach Hause kommt, zeigt sich, als eine Therapeutin ihre Massageliege mitten im Wohnzimmer aufbaut, zwischen Sofa und Fernseher. Das hat ganz praktische Gründe: Ein Spa gibt es schlicht noch nicht. Hier ist eben vieles noch im Aufbau, und die blauen Kräne vor dem Clubhaus Richtung Meer erinnern einen daran.
Unser Apartment liegt nach hinten hinaus und blickt auf Loch 9 des Alvor Course, die Schlussbahn der ersten neun Löcher. Parkland mit einem herrlichen Auf und Ab und alten Pinien und Olivenbäumen, dazwischen sandige, rötliche Erde und dahinter die Weite der Ria de Alvor. Der Ausblick ist schlicht herrlich, erst recht, wenn dann noch ein laues Oktoberlüftchen um die Nase weht. Morgens taucht die Sonne als orangefarbener Punkt am Horizont auf, hinter den Rosmarinbüschen am Terrassenrand, und legt einen warmen Schimmer auf das flache Dach nebenan. Der Himmel geht von Orange in ein klares Blau über, unten auf dem Fairway ist noch niemand unterwegs.
Abends übernimmt der Mond. Er steigt im Dunst über der Lagune der Ria de Alvor auf, und unter uns verliert das Grün langsam seine Farbe. Weiter vorne haben wir eine private Terrasse mit zwei Liegestühlen. Dort liegen wir und schauen dem Mond zu, der riesig über dem Golfplatz und der fernen Stadt hängt. Man muss für diesen Blick nichts weiter tun, als rechtzeitig nach draussen zu gehen.
Frühstück im Palmares Clubhaus: Es fehlt an nichts
Gefrühstückt wird derzeit im Clubhaus. Das ist ein Provisorium, bis das neue Hotel steht. Es fühlt sich an, als hätten wir die Anlage fast für uns allein. Auf dem Golfplatz begegnen wir noch weniger Menschen. Die meisten anderen Gäste kommen aus Finnland, sofern wir die Sprache richtig deuten.
Viel Holz, viel Glas, dahinter öffnet sich die Bucht. 2024 wurde das Clubhaus bei den World Golf Awards als bestes Europas ausgezeichnet, 2025 als bestes der Welt. Man versteht schnell, warum: Die Architektur nimmt sich zurück und überlässt der Aussicht die Bühne. Bei einem Drink auf die Links und das ruhige, blaue Meer zu schauen, ist für uns hier mehr als entspannend.
Das Buffet ist rund um eine lange Holztheke aufgebaut. Croissants liegen in Holzkisten, und die traditionellen Pastéis de Nata gibt es hier schon zum Frühstück. Süsses, Würziges, Eierspeisen: Uns fehlt es an nichts. Den ersten Kaffee hatten wir schon im Apartment, den zweiten holen wir uns hier selbst an der grossen Maschine.
Auf der Terrasse zieht sich ein schmales Wasserbecken entlang der Brüstung, darüber stehen helle Sonnenschirme, und der Blick geht über Pinien hinweg zur Lagune und zur Küste. Mittags kannst du hier hervorragend essen. Wir bestellen eine kreative Form von Lobster & Chips mit knusprigen Kartoffelscheiben und einem Spiegelei obendrauf. Eine etwas andere Art von Huevos rotos, denken wir uns.
Am Eingang des Clubhauses hängt inzwischen ein neues Schild: Preceito. Seit April 2026 ersetzt das Restaurant das frühere Sternelokal AL SUD. Am Herd steht Alexandre Cabrita, in Portugal als Chef of the Year 2025 ausgezeichnet. Ein Grund mehr, wiederzukommen.
Lagos und die Meia Praia: Leben abseits vom Golf
So gemütlich es auf der eigenen Terrasse ist, ganz abgeschieden ist Palmares nicht. Unterhalb des Resorts zieht sich, rund 700 Meter entfernt, die Meia Praia entlang, einer der längsten Sandstrände der westlichen Algarve. Und Lagos, dieses niedliche Städtchen mit seiner Altstadt, liegt nicht weit. Mit dem Mietwagen bist du schnell dort, mit Uber kostet die Fahrt weniger als 10 Franken.
Lagos gehört für uns zu den reizvollsten Städten der westlichen Algarve. Hier erwarten dich eine historische Altstadt, kleine Restaurants, eine lebendige Marina und eine der spektakulärsten Küstenlandschaften Portugals. Wer abends Lust auf etwas anderes hat als Fairways und Clubhaus, findet hier Leben, Geschichte und Kulinarik.
Genau diese Mischung macht den Gedanken an ein paar Winterwochen so verlockend: tagsüber Ruhe, Meer und Golf und, wenn du magst, ein Abend in der Stadt.
Palmares im Umbruch: Das erste JW Marriott Portugals entsteht
Ganz still ist es in Palmares trotzdem nicht, zumindest nicht für die Augen. Vom Mittagstisch auf der Clubhaus-Terrasse sieht man über den Pinien die blauen Baukräne, und auch vom Pool aus, wo die Liegen ordentlich aufgereiht auf dem Rasen stehen, ragen sie gleich in Gruppen in den Himmel. Hier entsteht das JW Marriott Algarve Palmares Hotel & Spa, das erste Haus der Luxusmarke in Portugal. Die Bauarbeiten begannen im Februar 2025, eröffnet werden soll Anfang 2028. Laut portugiesischen Medienberichten fliessen insgesamt mehr als 700 Millionen Euro in die Entwicklung von Palmares, inklusive neuer Wohnphasen wie der Signature Residences.
Wer jetzt kommt, erlebt Palmares mitten im Übergang. Das JW Marriott wird sicher einiges verändern. Die Signature Apartments zeigen aber schon heute, worum es hier geht: Raum, Ruhe, das Meer vor Augen und ein Zuhause auf Zeit.
Palmares: 27 Löcher zwischen Pinien und Atlantik
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Warum sich der Weg nach Palmares lohnt
Die Algarve ist nicht arm an guten Golfplätzen. Viele der bekannten liegen rund um Vilamoura, Vale do Lobo und Quinta do Lago, nah am Flughafen Faro und nah beieinander. Dort lässt sich in einer Woche bequem ein Platz nach dem anderen spielen. Palmares liegt weiter westlich, bei Lagos, etwas abseits dieser Golfzentren. Vom Flughafen Faro erreichst du die Anlage in rund 45 Autominuten.
Hier geht es nicht darum, möglichst viele Plätze in eine Reise zu packen. Hier nimmt man sich einen Tag für einen einzigen Platz und merkt am Abend, dass es eigentlich drei waren. Dazu kommt die Ruhe, die wir so in Vilamoura definitiv nicht verspürt hatten.
Wer mehrere Wochen bleibt und zwischendurch auf anderen Plätzen spielen möchte, hat in der Umgebung weitere Möglichkeiten:
- Boavista Golf & Spa Resort (Lagos): Nur wenige Kilometer entfernt bietet dieser 18-Loch-Platz ein abwechslungsreiches Layout mit vielen hügeligen Abschnitten und Ausblicken auf den Atlantik sowie die Bucht von Lagos.
- Espiche Golf (Espiche): Ein auf ökologische Nachhaltigkeit ausgerichteter 18-Loch-Platz, ca. 7 km entfernt. Er fügt sich mit wenig Bebauung am Rand in die naturbelassene Landschaft ein.
- Pestana Alto Golf (Alvor): Ein klassischer 18-Loch-Platz in der Nähe von Portimão, ca. 10 km entfernt. Die Nähe zum Ozean und die Eignung für entspannte Urlaubsrunden machen ihn zu einer weiteren Option.
- Penina Hotel & Golf Resort (Portimão): Etwa 10 km entfernt liegt dieser geschichtsträchtige Club. Er gilt als Wiege des Golfsports an der Algarve und bietet den 18-Loch-Platz «Sir Henry Cotton Championship Course» sowie zwei zusätzliche 9-Loch-Plätze.
- Morgado Golf & Country Club (Portimão): Ca. 14 km landeinwärts liegen mit dem Morgado Golf Course und dem Álamos Golf Course zwei ruhige, anspruchsvolle 18-Loch-Plätze fernab des touristischen Küstentrubels.
- Santo António Villas, Golf & Spa (Budens): Ca. 15 km westlich von Lagos liegt dieser stark hügelige 18-Loch-Platz in Küstennähe. Er erfordert präzises und strategisches Spiel.
- Pestana Gramacho & Pestana Vale da Pinta (Carvoeiro): Rund 16 km östlich befinden sich diese beiden 18-Loch-Meisterschaftsplätze. Ihre welligen Fairways sind von alten Oliven-, Mandel- und Johannisbrotbäumen gesäumt.
Für uns liegt der Reiz von Palmares aber darin, dass wir gar nicht jeden Tag weiterziehen möchten. Im Moment fühlt sich die Anlage weniger nach Golfdestination an als nach einem Ort, an dem Golf ganz selbstverständlich zum Tag gehört. Lagos ist nah, die eigene Terrasse noch näher. Und wir wissen schon jetzt, wo wir im Winter gerne ein paar Wochen lang den Mond über der Ria de Alvor aufgehen sehen würden.
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