Kaum ist der Kofferraum des Shuttles offen, steht schon jemand neben uns, hebt die Golftaschen heraus und trägt sie zum Buggy. Ein Empfang, der zum Ruf passt. Denn dieser Platz ist uns schon lange begegnet, bevor wir heute zum ersten Mal hier aussteigen. Über Freunde, über Reisegeschichten, über die grossen Golfmagazine. «Grande Dame von Vilamoura» nennt man ihn, und fast jeder Golfer, der die Algarve kennt, hat eine Meinung zu ihm. Jetzt wollen wir uns unsere eigene bilden.
1969 eröffnet, entworfen vom Engländer Frank Pennink und später von Martin Hawtree mit viel Fingerspitzengefühl modernisiert: Der Old Course ist der älteste Platz Vilamouras und hat sich seinen Übernamen redlich verdient. Wie es sich für eine echte Grande Dame gehört, muss er niemandem mehr beweisen, dass er Eindruck machen kann.
Während ringsherum mit Inselgrüns, Wasserfällen und Resort-Bombast um Aufmerksamkeit geworben wird, bleibt er bei dem, was er seit Jahrzehnten kann. Die Pinien sind hier keine Dekoration, sie sind die Architektur. Schirmpinien mit flachen, ausladenden Kronen, darunter Stämme, die sich in alle Richtungen krümmen, als hätte jeder Baum über die Jahrzehnte seine eigene Schwungkorrektur entwickelt. Unter ihnen liegen Beete aus Pinienrinde, dazwischen ziehen die Fairways ihre sattgrünen Bahnen, und kaum ein Haus drängt sich ins Bild.
Old Course Vilamoura seit 1969: Frank Penninks Klassiker zwischen alten Pinien
Neue Eigentümer, gleicher Charakter: Der Old Course unter DETAILS
Dann begann ein neues Kapitel. 2023 übernahmen Fonds unter der Verwaltung von Arrow Global die Golfplätze der Dom Pedro Gruppe. Betrieben wird der Old Course seither von DETAILS, einem Unternehmen der Arrow-Global-Gruppe. Ehrlich gesagt hatten wir mit einer kleinen Radikalkur gerechnet. Doch die blieb aus. Es wurde investiert, modernisiert und verfeinert, ohne der Grande Dame eine neue Persönlichkeit aufzuzwingen.
Dazu kommt ein Service, der aus einer einfachen Golfrunde einen ganzen Golftag macht. Schon auf der Driving Range fällt auf, wie viel Wert hier auf die kleinen Dinge gelegt wird. Die kostenlosen Rangebälle liegen nicht etwa lose in Körben, sondern sind Matte für Matte zu ordentlichen Pyramiden in hölzernen Dreiecksrahmen aufgeschichtet. Über jedem Abschlagplatz hängt ein TrackMan-Bildschirm. Moderne Trainingstechnologie, die hier ganz selbstverständlich zum Angebot gehört.
Am ersten Abschlag wartet Kaffee, unterwegs gibt es kühles Wasser, und unter den Pinien beim Starter steht die «Buggy Bar». Ein flaschengrüner Wagen mit goldenem Logo und Sonnendach, der aussieht, als wäre er geradewegs von einem britischen Gartenfest auf den Golfplatz gerollt.
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Strategisch statt spektakulär: So spielt sich der Old Course Vilamoura
Der Himmel kann sich an diesem Tag nicht ganz entscheiden. Mal schiebt sich eine graue Wolkendecke über die Kronen, mal reisst sie auf, und das Grün unter den Pinien leuchtet, als hätte jemand den Kontrast hochgedreht. Wasser kommt eher zurückhaltend ins Spiel, dafür an einer Stelle, an die wir uns erinnern: Vom Abschlag geht es über einen Teich, in dessen Mitte ein Springbrunnen sprudelt. Dahinter wartet das Grün, eingerahmt von zwei hellen Bunkern und einer einzelnen Pinie, die so dekorativ danebensteht, dass man ihr die Platzierung beinahe übelnimmt.
Wir rollen über glatte, sauber gefasste Wege, die in sanften Kurven zwischen den Stämmen hindurchführen und sich an einer Stelle in einer langen S-Kurve den Hügel hinaufschlängeln. Am Wegrand steht ein Holzschild: «Caution, Slow down».
Wichtiger ist ohnehin, was unter den Füssen passiert. Die Fairways sind dicht und gleichmässig, die Grüns rollen sauber, und die Bunker sind so akkurat geharkt, dass der Sand in konzentrischen Kreisen liegt wie in einem japanischen Steingarten. Man möchte fast nicht hineinspielen, und wer es trotzdem tut, harkt danach mit einem gewissen Pflichtgefühl.
Der Old Course ist kein Championship-Monster, das einen mit Wasser und Sand erschlägt. Hier zählt weniger die Schlagweite als die richtige Ballplatzierung. Wer einfach draufhaut, bekommt die Quittung prompt, meist in Form einer Pinie. Das unverkennbare Geräusch, wenn ein Golfball auf einen Baumstamm trifft, begleitet uns jedenfalls immer wieder über die Runde.
Fast ebenso regelmässig hallt ein lautstarkes «Fore right!» über die Fairways. Gleich drei grosse englische Männergruppen scheinen an diesem Tag ihren ganz persönlichen Ryder Cup auszutragen, jede Mannschaft in eigenen Team-Polos, sodass wir sie schon von Weitem zwischen den Pinien erkennen. Offenbar landet auch bei ihnen nicht jeder Ball dort, wo er hin sollte. Frank Pennink hätte vermutlich trotzdem seine Freude daran.
Weniger Flights, mehr Ruhe: Warum es auf dem Old Course nicht hektisch wird
Trotz so viel sportlichem Ehrgeiz bleibt es erstaunlich ruhig auf dem Platz, spürbar ruhiger als etwa auf dem Pinhal gleich nebenan. Niemand hetzt, niemand drängelt. Zwischen den Flights bleibt genug Abstand und ein Tempo, das Zeit lässt, den Duft der Pinien tatsächlich wahrzunehmen.
Warum das so ist, hatte uns der Starter schon am ersten Abschlag erklärt. Früher musste sich der Old Course genau das anhören, was beliebten Plätzen irgendwann fast zwangsläufig vorgeworfen wird: zu viele Flights, zu langsames Spiel. Unter DETAILS hat man reagiert, mit weniger Startzeiten und, das gehört zur Wahrheit dazu, mit höheren Greenfees. Im Oktober 2026 kostet die Runde über 18 Löcher je nach Datum zwischen 248 und 275 Euro, der Buggy kommt mit 45 bis 60 Euro dazu. Klingt zunächst nach einem Satz aus einer Pressemitteilung, bei dem man kurz mit den Augen rollt. Nur stimmt er hier.
Was macht einen Golfplatz eigentlich unvergesslich? Die Frage stellen wir uns erstaunlich oft, meistens auf dem Rückflug, mit müden Beinen und einem leichten Ziehen im Rücken. Inzwischen haben wir eine ziemlich eindeutige Antwort: Ein Platz ist dann gut, wenn er Bilder im Kopf hinterlässt und Emotionen weckt, die noch lange nach der letzten Runde bleiben.
Und damit wir den Old Course in Vilamoura ganz sicher nicht vergessen, gibt es zum Abschied ein personalisiertes Bag-Tag mit eingraviertem Namen. Eine kleine Aufmerksamkeit, die künftig an der Golftasche hängt und uns noch lange an diesen Golftag erinnern wird. Genau solche Details machen den Unterschied.
Clubhaus und Gastropub am Old Course: Britische Pubküche mit portugiesischem Einschlag
Ende 2024 wurde auch das Clubhaus umfassend renoviert, und man hat der Versuchung widerstanden, eine glatte Designlounge daraus zu machen. Schon der Proshop wirkt eher wie die Bibliothek eines englischen Landhauses: dunkle Holzvertäfelung, warmes Licht, in der Mitte ein rundes Sofa in olivgrünem Bouclé. An der Wand reihen sich Caps in Senfgelb, Weinrot, Petrol und Grasgrün, alle mit dem verschlungenen Logo und dem dezenten Hinweis «since 1969». Die Grande Dame trägt ihr Geburtsjahr mit Stolz.
Die Bar führt den Ton fort. Bogenförmige Nischen, Gläser, die kopfüber über dem Tresen hängen, Flaschen, die in den beleuchteten Regalen wie Bernstein leuchten, und Sessel im gleichen Olivgrün. Der Cappuccino kommt mit dem Clublogo im Milchschaum.
Dass dieser britische Clubhauscharme nicht bei der Einrichtung aufhört, merken wir spätestens beim Essen. Der Gastropub ist eine Hommage an Frank Pennink und verbindet klassische britische Pubküche mit portugiesischen Einflüssen. Serviert wird auf Porzellan mit grünem, gewelltem Rand, wie man es aus einem englischen Clubhaus kennt. Zum Auftakt kommt Thunfisch, kurz angebraten und in Scheiben geschnitten, mit Avocadocreme, gehackten Haselnüssen und Cherrytomaten, die zu kleinen Blüten aufgeschnitten sind. Danach ein goldbraun gebratenes Seabass-Filet auf heller, cremiger Sauce mit Broccoli und einem Spritzer grünem Kräuteröl. Und eine Lammhaxe, die in einer gusseisernen Pfanne in ihrer Sauce an den Tisch kommt, dazu gegrillte Süsskartoffelscheiben mit Rosmarin.
Am Abend zieht sich das Clubhaus dann gewissermassen um. Freitags spielt ab 18 Uhr ein Duo mit E-Piano und Sängerin, und um 18.30 Uhr tauscht das Servicepersonal die blauen Poloshirts gegen weisse Hemden. Draussen sinkt die Sonne hinter eine Schirmpinie, deren Krone sich schwarz vor dem orangefarbenen Himmel abzeichnet, in der Ferne verschwimmen die Hügel. Am Eingang leuchtet das Old-Course-Schild im letzten Licht. Spätestens dann hat niemand mehr Eile, zurück ins Hotel zu fahren.
Gut zu wissen: Die Golfplätze von Vilamoura
Vilamoura gehört zu den bekanntesten Golfdestinationen der Algarve. Mit dem traditionsreichen Old Course, dem von Pinien gesäumten Pinhal sowie Millennium und Laguna stehen vier öffentliche 18-Loch-Plätze zur Auswahl, die sich zur Freude der Golfer auch massgebend unterscheiden.
Vilamoura Stay & Play
Wer Golfurlaub in Vilamoura plant, findet mit den Stay & Play Angeboten von Vilamoura Golf attraktive Kombinationen aus Hotelübernachtungen und Golfrunden auf den renommierten Plätzen der Region.