Alles
Golf Clubs
Ideenmagazin

The Els Club Vilamoura: Ernie Els’ privater Golfclub in Portugal

Den ersten Baum, der unserem Ball in die Quere kommen könnte, suchen wir im The Els Club Vilamoura vergeblich. Pinien gibt es durchaus, aber sie stehen am Rand, ausserhalb des Spiels. Dazwischen liegen weite, offene Fairways, Sandflächen mit Grasbüscheln und sehr viel Himmel. Nur ein paar Kilometer von der Marina entfernt spielen wir eine Art Inland-Links: karg, offen und ziemlich ehrlich zu jedem Schlag, der nicht sitzt.

Was dabei auffällt, ist die Stille. Kein Flight vor uns, keiner hinter uns. Während der ganzen Runde begegnen wir keinem einzigen anderen Golfer. Nicht einmal viele Vögel hören wir. Wo sollten sie auch sitzen, ohne Bäume?

The Els Club Vilamoura: Ein privater Golfclub, in den man nicht einfach hineinspaziert

Dass es so ruhig ist, hat System. The Els Club Vilamoura ist ein privater Mitgliederclub, der erste dieser Art in Portugal. Mitglied wird man auf Empfehlung eines Gründungsmitglieds oder auf Einladung des Clubs. Ein Greenfee bucht man hier nicht mal eben online. Im März 2026 zählte der Club gut 125 Mitglieder plus Warteliste, langfristig sollen es rund 400 werden. Für einen Championship Course ist das eine sehr überschaubare Gemeinde.

Wir sind auf Einladung von DETAILS Hospitality, Sports & Leisure hier, dem Unternehmen hinter dem Club. Und ja: Das Gefühl ist schon elitär. Hier kommt nicht jeder drauf, und das merkt man. Nicht an steifer Etikette, sondern an etwas viel Seltenerem. An Platz. An Zeit. An Ruhe, die im sonst so belebten Vilamoura fast unwirklich wirkt.

Ganz fertig ist diese Verwandlung allerdings noch nicht. An einigen Stellen sieht man, dass auch optisch noch daran gearbeitet wird, den hohen Anspruch des Clubs bis ins letzte Detail umzusetzen. Aber auch das benötigt Zeit. Denn die Natur, die hier später mitspielen soll, muss erst wachsen, um selbst zum Spielfaktor zu werden.

Was den Platz selbst angeht, gibt es dagegen nichts zu meckern. Der Pflegezustand ist hervorragend, und wie viel Aufwand dahintersteckt, sehen wir gleich beim ersten Blick von der Clubhausterrasse. Eine regelrechte Armada an Greenkeepern kommt uns entgegen. Mäher, Nutzfahrzeuge und ein Cart rollen in Reih und Glied über das Fairway, als würden sie zur Parade antreten.

Das Ergebnis sieht man auf jeder Spielbahn: Fairways und Grüns sind in einem Zustand, bei dem man sich fast schämt, ein Divot herauszuschlagen. Damit das so bleibt, ist offenbar vorgesorgt: Die ganzen vier Stunden über folgen uns zwei Greenkeeper. Wir haben den starken Verdacht, dass sie hinter uns die Divots aufräumen, denn wir selbst setzen zwar den grünen Sand zum Nachfüllen pflichtbewusst ein, aber das erfüllt vermutlich nicht die hohen Ansprüche dieses Clubs. Golf mit persönlichem Aufräumdienst, das hatten wir so auch noch nicht.

Das beginnt schon vor der Runde. Unser Bag steht neben einer dunklen Tafel mit goldenem Els-Wappen bereit, in der Lounge wärmt dunkles Holz mit Rautenmuster den Raum, das Clublogo ist von hinten beleuchtet. Es gibt einen Ingwer-Shot, der wacher macht als jeder Probeschwung, und eine Willkommenstasche für jeden von uns.

Auf der Range warten Ballpyramiden, die tiefe Morgensonne im Herbst zieht lange Schatten übers Gras. Und dann wäre da noch der Forecaddie in dunkelblauer Weste, der vorausgeht und die Bälle im Blick behält. Er gehört hier eigentlich zum Pflichtprogramm: 75 Euro pro Flight, bar zu bezahlen. Die einzige Ausnahme im ansonsten bargeldlosen Clubhaus. Eigentlich. Denn ausgerechnet wir waren ohne unterwegs. Aber wir vermuten, dass auch hier erst das nötige Personal aufgebaut werden muss, und eigentlich sind wir darüber ganz glücklich.

Golfplatz mit Wasser und Bäumen
Breite Spielbahnen und strategisch platzierte Wasserhindernisse prägen den Championship Course des The Els Club Vilamoura. Hier die Spielbahn 10.

Vom Victoria Course zum The Els Club Vilamoura: Arnold Palmer trifft Ernie Els

Wer Vilamoura hört, denkt an die Marina mit ihren Yachten. Nur wenige Minuten davon entfernt lag jahrzehntelang der Victoria Course, entworfen von Arnold Palmer und von 2007 bis 2022 Schauplatz der Portugal Masters. 2023 wurde der Platz geschlossen und nicht etwa aufgehübscht, sondern von Grund auf neu gebaut: neue Grüns, Bunker, Abschläge, Drainage und Bewässerung, neue Grassorten.

Ernie Els, der viermalige Major-Sieger, den alle nur «The Big Easy» nennen, drehte mit Designpartner Greg Letsche die Spielrichtung der zweiten Neun um und liess mehrere Spielbahnen komplett neu entstehen. Am 21. Juli 2025 eröffnete er den Platz persönlich.

Seine Ansage damals: Ehemalige Victoria-Golfer würden zwar die Landschaft wiedererkennen, nicht aber den Golfplatz.

The Els Club Vilamoura, Front Nine: Einspielen auf Langstrecke

Wir starten im The Els Club Vilamoura zu Fuss, mit TiCad-E-Trolleys, die brav vor uns herrollen. Eines gleich vorweg: Die ersten neun Löcher sind zum Einspielen da. Sie sind lang, offen und, so zumindest unser Eindruck, ähneln sich irgendwie alle ein bisschen. Breite Fairways, Sand, Gras, wieder Sand, und das Auge sucht vergeblich nach einem Fixpunkt. Der Links-Charakter dürfte genau so gewollt sein.

Was dieser Platz vor allem ist: lang. Von den hintersten Abschlägen misst er stolze 6’707 Meter, mit gleich fünf Par-5-Löchern, fünf Par-3 und acht Par-4. Wer hier spielt, sollte lange Schläge im Repertoire haben. Sonst wird es auf diesen Fairways schnell ungemütlich.

Ladies (oder auch der eine oder andere Gentleman), die den Ball keine 100 Meter weit schlagen, haben hier so ihre Schwierigkeiten. Sagen wir es so: Für sie wird die Runde zu einem sehr ausgedehnten Spaziergang mit auffallend vielen Zwischenstopps. (Anm. d. Red.: Das ist liebevoll gemeint.) Nach neun Löchern zu Fuss wissen wir jedenfalls, was wir geleistet haben.

Störche auf einem Golfplatz am Wasser
Nicht nur Golfer fühlen sich hier wohl. An den Wasserhindernissen des The Els Club Vilamoura haben sich zahlreiche Störche niedergelassen.Hier am Loch 17, Par 3.

The Els Club Vilamoura, Back Nine: Jetzt kommt Wasser ins Spiel

Ab Loch 10 wechseln wir aufs Cart. Und genau jetzt kippt die Stimmung des Platzes. Die zweiten neun Löcher haben es in sich, und so ist es auch gedacht. Plötzlich kommt Wasser ins Spiel und mit ihm ein völlig anderes Bild: Teiche mit Natursteinmauern, Sandflächen, die bis ans Ufer reichen, dahinter am Horizont ein weisser Wasserturm. Der Platz sieht nicht nur anders aus, er stellt plötzlich auch Fragen. Bei jedem weiteren Schlag.

Kurz nach dem Turn kommt die Verpflegung zu uns statt umgekehrt. Wir haben uns am Halfway ein Thunfisch-Sandwich bringen lassen, und es ist, ganz ehrlich, sehr, sehr lecker. Dazu für jeden ein Glas Weisswein, geliefert in hochwertigen Plastik-Weingläsern, die exakt vorne in die Halterung des Golfcarts passen.

Am Par-5-Loch 11 begleitet uns das Wasser zuerst links, quert dann das Fairway und liegt schliesslich auch noch vor dem Grün. Das 14. ist ein Par-3 über Wasser mit dem Clubhaus als Kulisse, das 17. ein langes Par-3, an dem das Wasser die ganze Spielbahn entlangläuft. Gerade am Ende einer Runde, wenn der Score eigentlich in Sicherheit sein sollte, ist das eine kleine Charakterprüfung.

An unserem Tag kommt am 17. noch das Publikum dazu. Die Störche stehen auf dem Grün und sehen nicht so aus, als hätten sie vor, Platz zu machen.

An dieser Stelle steige ich kurz aus dem Wir aus, denn auf der Scorekarte steht nur ein Name: meiner. Gespielt von Blau, 5’288 Meter. Am Ende stehen 95 Schläge auf meiner Karte, 47 auf den ersten Neun, 48 auf den zweiten.

Pars gelingen mir am Par-5-Loch 3, am kurzen 8. und ausgerechnet am 18., dem Schlussloch vor der Clubhausterrasse. Besser kann man eine Runde kaum abschliessen.

Am meisten amüsiert mich aber die Bilanz der beiden Hälften: Die angeblich zahmen ersten Neun kosten mich 47 Schläge, die wassergespickten zweiten Neun 48. Ein einziger Schlag Aufpreis für so viel Wasser. Den zahle ich gern.

Von Dubai bis zum The Els Club Vilamoura: Die Els Clubs weltweit

The Els Club Vilamoura ist nicht der erste Els Club, aber der erste in Europa. Der allererste eröffnete 2008 in Dubai Sports City, ein Links-Layout mitten in der Wüste. Insofern ist das karge Inland-Links-Gefühl an der Algarve fast schon Familientradition.

In Südafrika, Els’ Heimat, liegt The Els Club Copperleaf in Centurion bei Pretoria, auf einem Stück Land, auf dem sein Grossvater aufwuchs. In Malaysia folgten The Els Club Teluk Datai auf Langkawi, ausgezeichnet als World’s Best New Golf Course, und The Els Club Desaru Coast mit einem Ocean- und einem Valley-Platz.

The Els Club Vilamoura hat in diesem Kreis schnell seinen Platz gefunden: 2025 wurde der Club bei den World Golf Awards als World’s Best Private Golf Club ausgezeichnet. Dabei ist Spitzengolf hier nichts Neues: 16 Jahre lang wurde auf dem früheren Victoria Course das Portugal Masters der DP World Tour ausgetragen.

Nach dem Umbau kehrte das internationale Profigolf zurück: Im August 2026 war der Club Bühne für das erste Portugal Invitational der PGA TOUR Champions, mit 78 Spielern aus 17 Nationen und drei Millionen US-Dollar Preisgeld. Auch Ernie Els selbst stand auf der Startliste. Mit dabei war auch Bernhard Langer, 50 Jahre nach seinem Profidebüt in Portugal. 2027 kehrt das Turnier zurück. 

Kleines Detail am Rand: Das Clubrestaurant heisst 261, nach Els’ Rekordergebnis von 261 Schlägen bei der Mercedes Championship 2003.

Fairmont Vilamoura: Das neue Hotel am The Els Club

Golfplatz mit modernem Hotelgebäude
Noch steht das ehemalige Victoria Hotel direkt neben dem The Els Club Vilamoura leer. Das Gebäude wartet auf seine umfassende Neugestaltung und soll 2028 als Fairmont Vilamoura wiedereröffnen.

Wer den privaten The Els Club Vilamoura ohne persönliche Einladung spielen möchte, hatte bislang eine interessante Möglichkeit: das benachbarte Victoria Golf Resort & Spa. Das Fünfsternehotel liegt direkt am Golfplatz und bot seinen Gästen ein exklusives Stay-and-Play-Arrangement mit mindestens drei Übernachtungen sowie je einer Runde auf dem Els Club und dem Old Course an. Allerdings nur mit begrenzten Startzeiten, denn die Clubmitglieder haben hier grundsätzlich Vorrang.

Momentan ist dieser Weg allerdings versperrt. Seit Oktober 2026 ist das ehemalige Anantara Vilamoura geschlossen und wird umfassend umgebaut. Bei unserem Besuch wirkt das Gebäude bereits ziemlich verlassen. Von der einstigen Hotelidylle ist jedenfalls nicht mehr viel zu erkennen.

Was hier entsteht, erfahren wir bei einem Kaffee mit Joana Serra, Commercial & Marketing Director Sports & Leisure bei DETAILS. Sie erzählt uns von den Plänen für das Hotel, das 2028 als Fairmont Vilamoura wiedereröffnen soll. Es wird das erste Haus der Luxusmarke in Portugal. Hinter der Investition steht Arrow Global, während Accor das Hotel künftig unter der Marke Fairmont betreiben wird. Auch der Zugang zum privaten Els Club soll für Hotelgäste wieder möglich sein.

 

WAS AUCH NOCH SPANNEND IST