Der Île aux Cerfs Golf Club ist wohl der bekannteste Golfplatz auf ganz Mauritius. Der 18-Loch-Course wurde 2003 eröffnet und trägt die Handschrift der deutschen Golflegende Bernhard Langer. Wer weiss, wie präzise und taktisch er selbst Golf denkt und spielt, spürt hier ziemlich schnell, dass seine Vorstellung vom Spiel mit unserem entspannten Urlaubshandicap nur bedingt deckungsgleich ist.
Mit dem Golfbag über der Schulter geht es zum privaten Jetty des Four Seasons Resort Mauritius at Anahita oder, wenn du im Long Beach Resort wohnst, von der Lobby mit dem Transfer zum Bootsshuttle. Spätestens in diesem Moment wird klar, dass dieser Ausflug anders wird als jede gewöhnliche Golfrunde zuvor. Das Boot legt ab, die Küste von Mauritius rückt langsam in den Hintergrund, und irgendwo dort vorne, hinter einer Linie aus Palmen und türkisfarbenem Wasser, wartet der Platz.
Wir haben Glück, oder vielleicht auch nicht. Kurz nach dem Ablegen schüttet es. Ein echter tropischer Gutenmorgen-Schauer. Er prasselt aufs Wasser, und während das Boot noch durch das graugrüne Meer gleitet, hört er so abrupt auf, wie er begonnen hat. Zurück bleibt ein Regenbogen, der sich über die Palmen der Ostküste spannt, fast wie ein persönlicher Abschiedsgruss, bevor wir hinüber auf die kleine Privatinsel schippern.
Das Wetter ist schwül und drückend warm. Bereits um 9 Uhr morgens liegt diese feuchte Schwüle mit spürbarer Intensität in der Luft. Und ehrlich gesagt bin ich schon jetzt ein wenig aufgeregt. Vom Platz habe ich so viel gehört, und dann ist das auch noch meine erste Golfrunde des Jahres.
Makellose Scorekarten sind hier vielleicht nicht das Wichtigste. Erinnerungen ganz bestimmt schon eher. Eines vorweg: Für mich trägt dieser Ort den Begriff Golfer’s Paradise jedenfalls völlig zu Recht.
Golfplatz Mauritius: Was den Île aux Cerfs wirklich unvergesslich macht
Ganz ehrlich? Ein grossartiger Golfplatz im spielerischen Sinne ist er für den durchschnittlichen Urlaubsgolfer eigentlich nicht. Das Layout ist schlichtweg viel zu eng. Man merkt an jeder Ecke, dass hier der Herr Langer am Werk war, der mühelos ein 2er-Eisen durch jedes Nadelöhr jagt. Wer beim Skizzieren solcher Bahnen von seiner eigenen Präzision ausgeht, lässt für uns Normalsterbliche wenig Raum für Fehler. Der arme Senior, mit dem wir neun Löcher gespielt haben, muss mindestens 20 Bälle verloren haben.
Die Lochtafeln am Île aux Cerfs sind aus Beton gegossen, mit feiner Reliefarbeit ich vermute aus Muscheln — winzige Bäume, Bunker, Schluchten. Und mittendrin sitzt türkisfarbenes Glas, das die Wasserflächen des jeweiligen Lochs zeigt.
Enge Fairways, kleine Grüns und viel Île aux Cerfs Inselcharakter
Besonders die ersten neun Löcher haben es in sich. An vielen Stellen spielen sich die Bahnen direkt am Strand entlang, sodass du immer wieder auf die Strandbeizen und das bunte Leben daneben blickst. Dazu kommt der Duft vom Grill, der vom Ufer her über die Fairways zieht und mich in schöner Regelmässigkeit hungrig macht.
Wer die Fairways verlässt, landet allerdings ziemlich schnell im Mangrovensumpf oder im dichten Dschungel. Den Ball dort zu suchen rate ich dringend ab — erstens ist es vergebens, und zweitens ist es doch irgendwie auch so: Wenn man kein Geld mehr für Bälle hat, sollte man das Golfspielen sein lassen.
Die gute Nachricht ist, dass du im Proshop nach den ersten neun Bahnen problemlos Nachschub kaufen kannst. Und das ist hier nicht einmal nur reine Notfallversorgung. Die Logobälle sind nämlich auch eine ziemlich schöne Erinnerung an diese Runde. In meinem Freundeskreis gibt es einige, die genau solche Bälle sammeln. Ein Mitbringsel hätte ich also schon einmal gesichert.
Da wir den Platz gleich zweimal spielen durften, bot sich uns die seltene Gelegenheit, verschiedene Teeboxen zu erleben. Beim ersten Mal lud uns unser über 83-jähriger Flightpartner ein, gemeinsam mit ihm von Rot zu spielen. Vor allem zwischen Gelb, Weiss und Schwarz fühlt es sich fast so an, als lägen jedes Mal neue Bahnen vor dir. Die Linien verschieben sich, Winkel verändern sich, und plötzlich verlangt derselbe Platz nach einer völlig anderen Idee vom Spiel.
Was mir zudem in Erinnerung bleibt, sind die winzigen Grüns. Geplant ist ganz offensichtlich, die Wahrscheinlichkeit eines Drei-Putts zu minimieren, indem die Grüns so klein wie möglich gestaltet wurden. Fühlt sich in der Praxis eher nach einer Herausforderung an. Ich jedenfalls hatte mehrere Grün-Bunker-Pingpongs, bis ich dann resigniert habe.
Die Fairways sind schmal, die Löcher oft blind, und das Gelände geht mal rauf, mal runter — du weisst nie wirklich, was dich als Nächstes erwartet. Dazu kommt der Wind, und der ist auf einer Insel mitten im Indischen Ozean keine Ausnahme, sondern die Regel.
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Highlights im Île aux Cerfs Golf Club
An Loch 7 wird selbst der Bunker plötzlich zur Begegnungszone. Denn was hier auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Waste Area aussieht, ist gleichzeitig Lebensraum für Einsiedlerkrebse, die sich in kleinen Löchern im Sand eingerichtet haben. Beim Schlag sorgte ich mich kurz, ob ich in fremde Immobilienverhältnisse eingreife.
Der Zustand des gesamten Platzes ist über jeden Zweifel erhaben. Nach dem 9. Grün wartet ein Halfway-Kiosk, an dem Getränke wie Eistee und Wasser sowie kleine Snacks kostenlos bereitstehen. Die Madeleines haben auf vielen mauritischen Golfplätzen Traditionsstatus. Schliesslich ist die Insel kulinarisch stark von der französischen Esskultur geprägt, also überrascht es kaum, dass dieses kleine Gebäck auch zwischen Tee Box und Halfway House seinen festen Platz gefunden hat. Für mich jedenfalls ein Detail mit hohem Sympathiewert. Als bekennende Kuchenliebhaberin greife ich dort ausgesprochen bereitwillig zu.
Überall auf dem Platz tauchen Ruinen aus vergangenen Tagen auf. Dunkle Mauern aus Lavagestein stehen wie stille Zeitzeugen am Grün oder am Fairwayrand. Dazu kommen Par-3-Löcher über Wasserhindernisse mit Greens, die es in sich haben. «Schnell» ist eine glatte Untertreibung. Wenn der Ball nach dem Aufkommen einfach weiterrollt und du ihm «Stop» hinterherzubrüllen versuchst, weisst du: Bernie hat das so gewollt. Also gilt hier ein ganz klarer Tipp: Wenn du keinen hohen Ball spielen kannst, lass es lieber gleich.
Das 18. Loch setzt dem Ganzen schliesslich noch die Krone auf. Gleich zwei Grüns stehen zur Wahl, weit voneinander entfernt und mit völlig unterschiedlichem Charakter. Das linke wirkt handzahm. Das rechte dagegen verlangt noch einmal alles. Ein Finale mit Dramaturgie ganz nach dem Geschmack von Bernhard Langer, da sind wir uns ziemlich einig.
Ehrlich gesagt ist der Île aux Cerfs Golf Club weniger eine entspannte Golfrunde als vielmehr eine ziemlich exklusive Inszenierung. Und genau darin liegt sein Reiz. Das eigentliche Highlight ist beinahe das gesamte Theater drumherum: mit dem Bag auf dem Rücken ins Boot zu steigen, über türkisfarbenes Wasser auf eine Privatinsel überzusetzen, zwischen Ruinen, Teichen und Mangroven zu spielen und anschliessend im Langer’s Bar & Grill einzukehren. Auf der Karte stehen sowohl vertraute Klassiker wie Caesar Salad als auch lokale, würzige Gerichte wie ein Beef Salad mit mauritischer Handschrift. Genau die richtige Mischung für einen Ort, an dem selbst das Finale nicht einfach nur Nebensache ist.
Wie sagte ich vorhin? Golfer’s Paradise hat hier sicherlich seinen Ursprung.
Greenfee Île aux Cerfs Mauritius: Preise & Praktisches
Île aux Cerfs ist eine kleine Privatinsel und liegt vor der Ostküste, nahe dem Ort Beau Champ, und ist nur per Boot oder Helikopter erreichbar. Der Bootstransfer ist immer im Greenfee inbegriffen, das sich je nach Saison auf rund 180 Euro für 18 Löcher beläuft.
Zur Infrastruktur gehören eine Driving Range mit Target Greens sowie Putting Green, Chipping Area und Bunker Area. Den Platz kannst du problemlos laufen, ein Buggy ist hier nicht zwingend erforderlich. Vor allem im Juli, wenn die Temperaturen angenehmer und die Luft weniger drückend sind, ist ein Trolley völlig ausreichend. Da der Course grösstenteils eben angelegt ist, gibt es in der Regel auch keine Buggy-Pflicht.
Ein kleiner Hinweis noch: Wenn es in der Nacht ausgiebig geregnet hat, wird der Platz in der Regel nicht für Golfcarts freigegeben.
La Plaz Beach Grill – barfuss essen auf Île aux Cerfs
Wer früh auf dem Île aux Cerfs Golf Club abschlägt, hat meistens auch noch etwas vom Tag. Und für genau diesen freien Nachmittag gibt es kaum eine bessere Idee als ein Lunch am Privatstrand des Four Seasons Resort Mauritius at Anahita – mit Blick auf türkisfarbenes Wasser, weissen Sand und genau jenes Inselgefühl, das auf Mauritius so mühelos funktioniert.
Normalerweise erreichst du den Strandbereich vom Resort aus in rund fünfzehn Minuten mit dem Jetty, also per Speedboat. Dort warten ein weisser Sandstrand, türkisblaues Wasser, rund 40 Sonnenliegen – und mittendrin das La Plaz Beach Grill. Wenn du wie wir direkt von der Golfrunde kommst, geht es noch schneller: Vom Clubhaus bringt dich ein Shuttle in maximal fünf Minuten hinüber.
Und ja, man fällt erst einmal auf. Die anderen in Bikini und Badeshorts, wir noch im Golfer-Outfit. Umso schöner ist der Moment, wenn die Golfschuhe endlich aus sind und du die Zehen in den weichen, sonnenerwärmten Sand streckst. Auch das bekommt man nach einer Runde Golf nicht überall.
Genau darauf ist das ganze Konzept ausgelegt: Barfussluxus am Strand, Meerblick, Charcoal Grill. Die Küche spielt mit mauritischen Einflüssen, ohne laut zu werden – etwa mit Fish Ceviche in Kokos-Leche-de-Tigre mit Mango und Chili, madagassischen Garnelen im Tempura mit Wasabi-Mayo oder einfach mit dem Fisch des Tages, knusprig über offenem Feuer gegrillt. Dazu ein kreolischer Cocktail, Palmen im Wind und dieses leise Bewusstsein, dass dieser Mittag theoretisch gar nicht mehr enden müsste.
Gut zu wissen: Das La Plaz Beach Grill ist kein Gourmetrestaurant. Aber die Qualität der Küche kommt verdächtig nah heran. Vor allem ist es ein Ort, der bewusst auf Leichtigkeit setzt – kein klassisches Fine Dining, sondern ein Beach Restaurant, das dich nicht beeindrucken will, sondern einfach dableiben lässt.
