Achtzehn Löcher liegen hinter uns, zwei Stunden auf der Panorama-Clubhausterrasse auch. Eigentlich wäre jetzt der Moment, die Scorekarte abzugeben und den Tag für erledigt zu erklären. Stattdessen steigen wir noch einmal ins Cart und fahren hinunter Richtung Meer. Ausgerechnet auf den neun Löchern, die dem Atlantik am nächsten liegen, sehen wir ihn am wenigsten. Dafür hören wir ihn. Hinter den Dünen rauscht es, die Luft riecht nach Meer, und vor uns liegt ein Fairway, das so flach daherkommt, wie es sich für einen Linkskurs gehört. Es fühlt sich an, als hätte jemand über Mittag den Golfplatz ausgewechselt.
Genau darin liegt für uns der Reiz von Palmares. Hier spielt man nicht einfach 18 Löcher und fährt weiter zum nächsten Platz. Hier nimmt man sich einen ganzen Tag Zeit: für drei Landschaften, für ein langes Mittagessen mit Blick auf die Bucht von Lagos und für neun Löcher am Nachmittag, die mit dem Vormittag kaum etwas gemeinsam haben.
Palmares Golf bei Lagos: drei Schleifen an einem einzigen Tag
Palmares liegt an der Westalgarve, zwischen Lagos und der Mündung des Rio Alvor, oberhalb der Meia Praia. Die 27 Löcher sind in drei Neun-Loch-Schleifen aufgeteilt, die alle zum Clubhaus zurückführen und sich frei kombinieren lassen: Alvor mit den Löchern 1 bis 9, Lagos mit 10 bis 18 und Praia mit 19 bis 27. Den ursprünglichen Platz hat Frank Pennink 1975 angelegt. Die heutige Anlage trägt die Handschrift von Robert Trent Jones Jr., der Palmares 2011 neu gestaltet und um neun Löcher erweitert hat.
Wir haben uns für die Vollversion entschieden. Alle drei Schleifen an einem Tag. Natürlich mit dem Cart. Das erwähnen wir nur der Ehrlichkeit halber, denn die meisten Mitglieder und Residents laufen hier zu Fuss und schieben ihren Trolley vor sich her, Hügel inklusive. Wir nehmen das mit grossem Respekt zur Kenntnis und treten aufs Pedal.
Was ebenfalls auffällt: Wir haben das Gefühl, den Platz fast für uns allein zu haben, auch wenn wir mittendrin statt nur dabei sind. Rund um die Anlage stehen blaue Baukräne. Hier entsteht das JW Marriott Algarve Palmares, dessen Eröffnung für 2028 geplant ist. Und auch der Golfplatz selbst hat gerade eine Auffrischung hinter sich. Das Architekturbüro Robert Trent Jones II hat 2026 alle drei Schleifen überarbeitet, Fairways verbreitert, Bunker versetzt und an manchen Grüns kurz gemähtes Gras statt Sand als Hindernis eingesetzt.
Palmares Golf Alvor Course: auf und ab mit Blick bis zum Atlantik
Die ersten neun spielen wir hintenherum, im nördlichen und hügeligen Teil der Anlage. Und ganz ehrlich? Diese Schleife ist ein Traum. Nicht wegen eines einzelnen Lochs, sondern wegen der ständigen Bewegung. Es geht hinauf, es geht hinunter. Mal öffnet sich eine breite Bahn, die förmlich nach dem Driver ruft, dann wieder ein schmaler Korridor, auf dem Präzision mehr zählt als Länge.
Dazu kommt die Aussicht. Von den erhöhten Abschlägen reicht der Blick über Hügel und Fairways bis zum Atlantik. Am vierten Abschlag, dem höchsten Punkt des Platzes, öffnet sich das Panorama Richtung Meer auf der einen und zur Serra de Monchique auf der anderen Seite, bevor das Par 5 bergab führt. Ein Abschlag, bei dem der Schwung kurz warten muss, bis man fertig geschaut hat.
Bei Loch 9 wird es persönlich. Die Bahn läuft direkt auf die Signature Apartments zu, und eines davon ist für ein paar Tage unser Zuhause. Bisher kannten wir dieses Grün nur von der Terrasse aus, mit dem ersten Kaffee in der Hand. Jetzt stehen wir selbst darauf. Und während wir einlochen, ahnen wir bereits: Das Meer, das wir den ganzen Morgen von oben gesehen haben, kommt heute noch näher.
Palmares Golf Lagos Course
Danach geht es nahtlos weiter auf die Lagos-Schleife. Die Hügel bleiben, aber der Platz wird offener. Die Löcher 10 bis 18 verbinden Parkland mit weiteren offenen Passagen und Blicken Richtung Meer. Hier liegen auch die beiden markanten Wasserhindernisse der Anlage. Am Par 3 von Loch 12 heisst das: über das Wasser auf ein vergleichsweise flaches Grün, ohne grosse Verhandlungsbasis.
Eine Eigenheit von Lagos fällt erst auf, wenn man auf die Scorekarte schaut. Die Schleife hat je drei Par-3-, Par-4- und Par-5-Löcher, darunter eine Folge von sechs Löchern ganz ohne Par 4. Zum Schluss klettert die 18. Bahn relativ steil hinauf zum Clubhaus, und spätestens an dieser Steigung wächst unser Respekt vor der Trolley-Fraktion noch einmal deutlich. Oben angekommen, wartet die Terrasse. Und wir haben nicht vor, uns zu beeilen.
Halfway-Pause im Palmares Clubhaus: zwei Stunden auf der Terrasse
Mathematisch ist eine Pause nach 18 von 27 Löchern zwar keine Halbzeit mehr, aber wir wollen nicht kleinlich sein. Unsere Halfway-Pause dauert zwei Stunden, und wir verbringen sie auf der Terrasse des Clubhauses beim Lunch. Wir essen herrlich und haben es nicht eilig, wieder ins Cart zu steigen. Auf vielen Golfplätzen wäre das eine Unterbrechung. Hier gehört es zur Runde dazu.
Das Clubhaus selbst ist ein Grund, länger sitzen zu bleiben. Entworfen hat es das katalanische Büro RCR Arquitectes, das 2017 mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde. Übereinandergeschobene Platten aus rötlichem Beton bilden Wände und Dach, der Boden besteht aus portugiesischem Rosa-Marmor, und selbst die Möbel stammen aus der Feder der Architekten. Von der Terrasse geht der Blick über die Bucht von Lagos, und unten an der Küste liegt bereits die Schleife, die uns am Nachmittag erwartet. Bei den World Golf Awards 2025 wurde das Gebäude als «World’s Best Golf Clubhouse» ausgezeichnet.
Palmares Golf Praia Course: der Linkskurs unten am Meer
Nach dem Lunch geht es hinunter zur Praia-Schleife, dem Teil von Palmares, der direkt an der Küste liegt. Und hier wird es spannend, weil die Erwartung nicht ganz aufgeht. Wer nach Alvor und Lagos auf noch mehr Meerblick hofft, bekommt ihn ausgerechnet hier am wenigsten. Der Platz verläuft linkstypisch flach, ohne die Hügel der anderen beiden Schleifen, und so verschwindet das Meer oft hinter den Dünen. Präsent bleibt es trotzdem. Wir hören das Rauschen und riechen das Salzwasser, während wir zwischen Sandflächen und offenen Fairways unterwegs sind.
Robert Trent Jones Jr. hat Palmares einmal als «wärmeres Schottland» beschrieben, und auf Praia versteht man, was er meint. Wie auf manchem britischen Linksplatz führt sogar eine Bahnlinie durch die Schleife. Vier Löcher liegen zwischen den Gleisen und der Küste. Mit dem Cart geht es unter der Bahnlinie hindurch zu ihnen und wieder zurück.
Nach den Höhenmetern des Vormittags ist das eine echte Abwechslung. Am Morgen haben wir das Meer von oben gesehen, am Nachmittag sind wir direkt an der Küste, sehen es kaum und spüren es trotzdem die ganze Zeit. Golftechnisch wird dir in Palmares sicher nicht langweilig. Wer wie wir alle 27 Löcher an einem Tag spielt, merkt erst richtig, wie unterschiedlich sich die drei Teile anfühlen.
Pablo oder Paolo? Den Namen unseres Gesprächspartners aus dem Golfmanagement von Palmares haben wir leider nicht mehr ganz präsent. Dafür ist uns umso besser in Erinnerung geblieben, was er uns bei einem längeren Schwätzchen mitten auf dem Grün von Loch 27 der Praia-Schleife über die Zukunft des Golfplatzes erzählt hat.
Hier soll sich nämlich noch einiges tun. Die Waste Areas unten am Meer sollen grosszügiger gestaltet werden, und auch beim Greenkeeping will man weiter investieren. Neue Maschinen und ein überarbeitetes Pflege- und Bewässerungskonzept sollen für noch bessere Spielbedingungen sorgen. Gleichzeitig soll die bewässerte Fläche um 20 Prozent reduziert werden. Mehr Qualität auf den Spielflächen, weniger Wasserverbrauch auf den Flächen drumherum. Überhaupt soll die gesamte Anlage noch einmal deutlich aufgewertet werden.
Und wie sollte es anders sein? Auch hier hat die DETAILS Group ihre Finger im Spiel. Wir kennen ihre Ambitionen bereits aus Vilamoura, wo kräftig in die Golfplätze investiert wird.
Wenn alles so umgesetzt wird, wie wir es auf dem Grün von Loch 27 hören, dürfte Palmares in den kommenden Jahren mächtig in Form kommen. Das Potenzial ist jedenfalls da. Denn an der Lage zwischen Lagune, Dünen und Atlantik muss zum Glück niemand mehr etwas verbessern.
Palmares Signature Apartments: Wohnen direkt am Golfplatz
Du möchtest länger bleiben? Lies hier mehr über die Palmares Signature Apartments und unser Zuhause auf Zeit direkt am Golfplatz.
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