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Restaurants in Vilamoura: Zwischen Yachten und gutem Essen an der Vilamoura Marina

Nach dem dritten Restaurant beschleicht uns ein Verdacht: Wir gehören heute Abend offenbar nicht ganz zur gesuchten Zielgruppe. Die Kellner, die entlang der Vilamoura Marina mit Speisekarten vor ihren Restaurants stehen und vorbeischlendernde Gäste zum Einkehren bewegen möchten, scheinen ein gutes Gespür dafür zu haben, wer noch auf der Suche nach einem Tisch ist. Ein kurzer Blick genügt, und wir dürfen unbehelligt weiterziehen. Ein klein wenig gekränkt vielleicht, aber gleichzeitig ziemlich erleichtert.

An diesem Samstagabend zeigt sich die Marina von ihrer lebhaftesten Seite. Die Terrassen sind gut besucht, aus den Restaurants und Bars dringen englische Gesprächsfetzen, Gelächter und Musik. Das Wochenende ist in vollem Gange. Gleich zwei Junggesellinnenabschiede kreuzen unseren Weg. Die Ladies sind in ihren Prinzessinnen-Outfits kaum zu übersehen, bestens gelaunt und offensichtlich schon seit einigen Stunden in Feierlaune. Dabei ist der Abend noch jung. 

Und eigentlich haben die Kellner mit ihrer Einschätzung sogar recht. Wir sind tatsächlich keine potenziellen Restaurantgäste mehr. Allerdings aus einem ganz anderen Grund: Wir kommen gerade von einem ausgiebigen Dinner im Brasa und haben uns nur noch zu einem Verdauungsspaziergang an die Marina aufgemacht. 

Brasa Coastal Steakhouse im Hyatt Regency Vilamoura

Ein paar Stunden zuvor haben wir im Brasa Platz genommen. «Brasa» heisst auf Portugiesisch Glut, und der Name ist hier Programm. Unter den Restaurants in Vilamoura ist es eine der jüngsten Adressen: Es gehört zum Hyatt Regency Vilamoura Algarve, das erst im Januar 2026 eröffnet hat. Früher stand hier das Dom Pedro Vilamoura, das umfassend neu gestaltet wurde. Geführt wird das Haus von DETAILS, auf deren Einladung wir in Vilamoura unterwegs sind. In der Küche steht Executive Chef Daniel Rufino. Gekocht wird über Holzkohle und im Josper-Grill.

Draussen hängen Lichterketten über der Terrasse. Die runden Tische sind mit blau-weissen Fliesen belegt, darauf stehen kleine Lampen und Sukkulenten in Terrakottatöpfen, dahinter liegt ein gepflegter Garten. Es dämmert, bis die Tischlampen schliesslich die einzigen Lichtinseln sind. Drinnen sind die Wände in warmem Apricot gehalten. Daran hängen blau-weisse Teller mit Krabben, Hummern, Kraken und Seepferdchen, daneben Strohhüte. Gleich beim Eingang liegt der Fang des Tages auf zerstossenem Eis. Spätestens hier wird klar, warum sich das Brasa «Coastal Steakhouse» nennt: Das Feuer kommt vom Land, der Rest aus dem Atlantik.

Austern auf Eis mit Zitronen

Austern aus der Ria Formosa, Tatar auf dem Markknochen und Huevos rotos

Schon die ersten Kleinigkeiten aus der Küche machen neugierig. Zwei kunstvoll angerichtete Häppchen liegen auf dunklen Schieferplättchen, eingebettet in filigrane Nester aus knusprig frittierten Teigfäden. Fast zu hübsch, um sie gleich zu essen. Aber eben nur fast.

Dann wird es maritim. Sechs Austern aus der Ria Formosa kommen auf zerstossenem Eis an den Tisch. Frisch, salzig und mit diesem unverwechselbaren Geschmack nach Meer. Die Lagunenlandschaft der Ria Formosa liegt gerade einmal eine halbe Autostunde entfernt. Viel näher kann die Algarve kaum auf den Teller kommen.

Dass man im Brasa auch bei der Präsentation gerne eigene Wege geht, zeigt sich spätestens beim Beef Tatar. Statt auf einem klassischen Teller wird es auf einem längs aufgesägten Markknochen serviert, der wiederum auf einem Bett aus grobem Salz ruht. Dazu knusprig gegrillte Brotstreifen. Eine Inszenierung, die zunächst alle Blicke auf sich zieht, bevor wir uns dem eigentlichen Genuss widmen. Auch die Ochsenschwanz-Kroketten mit Senfmayonnaise passen wunderbar zu diesem unkomplizierten, aber durchaus raffinierten Küchenstil.

Am meisten überrascht uns allerdings ein Gericht, das auf den ersten Blick so gar nicht nach klassischem Steakhouse klingt: Sea Style Huevos rotos. In einer glänzenden Messingpfanne treffen knusprige Pommes frites auf ein Spiegelei, Algen und hauchdünnen, luftgetrockneten Thunfisch von der Algarve. Letzterer heisst hier Muxama und erinnert an die jahrhundertealte Tradition des Thunfischfangs an der portugiesischen Südküste. Was zunächst gewagt wirkt, entpuppt sich als spannendes Zusammenspiel aus herzhaften, salzigen und mediterranen Aromen. Ein spanischer Klassiker, der an der Algarve seine ganz eigene Interpretation gefunden hat.

Natürlich spielt auch Fleisch im Brasa eine Hauptrolle. Schliesslich sind wir in einem Steakhouse. Auf der Karte stehen verschiedene Cuts vom Rib Eye bis zum imposanten Tomahawk, dazu Dry-Aged-Spezialitäten und Chateaubriand. Selbst beim Burger setzt die Küche auf regionale Herkunft: Für den Brasa Dip Burger wird Fleisch vom Barrosã-Rind verwendet, einer traditionellen portugiesischen Rinderrasse aus dem Norden des Landes.

Das Brasa hat durchaus spannende Ideen. Die Karte macht neugierig, die Präsentation ist aufwendig, die Küche traut sich auch an ungewöhnliche Kombinationen, und manchmal bekommst du auch etwas, das du definitiv nicht erwartet hättest.

Vilamoura Marina am Abend

Zurück an der Marina, mit vollem Bauch und geschärftem Blick: Am Samstagabend ist die Vilamoura Marina lebhaft. Sehr lebhaft. Und das muss man mögen. Wer sich darauf einlässt, erlebt allerdings eine Promenade, auf der wirklich jeder seinen Platz findet. Familien, Paare, Golfer nach der Runde, Partygruppen. Ein bisschen wie ein Kanonenstart: Alle legen gleichzeitig los, jeder auf seiner eigenen Bahn, und am Ende kommen trotzdem alle irgendwie im Clubhaus an. Die Türsteherlogik der Kellner hat für uns sogar einen angenehmen Nebeneffekt: eine kostenlose Zielgruppenberatung. Wo man uns nicht haben will, wollen wir in der Regel auch nicht hin.

Rund um das Hafenbecken reiht sich Terrasse an Terrasse: portugiesische Fischlokale, Steakhäuser, italienische, indische und asiatische Küche, dazu Cocktailbars, Irish Pubs und Lokale mit Livemusik oder Karaoke. Gleich neben der Marina hat das Casino bis drei Uhr morgens geöffnet. Wer will, kann den Abend hier also ziemlich lang machen. Manche wollen das ganz offensichtlich. Bei den Restaurants an der Vilamoura Marina gilt allerdings: Die prominentesten Tische direkt am Wasser bieten nicht automatisch auch die besten Teller. Wer genau hinschaut, findet zwischen Happy-Hour-Tafeln und Fotomenüs trotzdem Adressen mit Stil.

Wie unterschiedlich sich derselbe Hafen anfühlen kann, haben wir zwei Tage zuvor erlebt. Am Donnerstagabend war vom samstäglichen Partytrubel und von Junggesellinnenabschieden noch deutlich weniger zu spüren. Wer es ruhiger mag, ist unter der Woche also besser bedient. An diesem Donnerstag haben wir auch eine dieser Adressen mit Stil entdeckt, ausgerechnet in einem Pub.

Sonnenuntergang über der Marina Vilamoura
Wenn die Sonne hinter den Segelmasten verschwindet, taucht sie die Marina Vilamoura in warmes Abendlicht. Vom Restaurant The Whale lässt sich dieses Schauspiel besonders schön beobachten.

The Whale Vilamoura: Ein Irish Pub, der keiner sein will

Ein Irish Gastropub. Ausgerechnet. Wer jetzt an dunkles Holz, klebrige Theken und Fussball in Endlosschleife denkt, wird im The Whale eines Besseren belehrt. Auf der einen Seite der Hafenpromenade erstreckt sich eine grosszügige Terrasse mit hellen Sonnenschirmen, Holztischen, Rattanstühlen und kleinen schwarzen Tischlampen. Am Eingang begrüsst uns ein weisser Pflanzenkübel mit marineblauem Schriftzug, dahinter wiegt sich eine Palme im Wind. Eine gläserne Brüstung trennt die Terrasse vom Hafenbecken, die Yachten liegen beinahe in Griffweite. Gegenüber, auf der anderen Seite der Promenade, befindet sich das Haupthaus. Erst jetzt wird uns bewusst, wie gross das The Whale eigentlich ist. Und wie wenig es mit unserer Vorstellung eines klassischen Irish Pubs zu tun hat.

Hinter dem Whale steht die familiengeführte portugiesische Loyola Group, die in Quinta do Lago bereits mit dem The Cheeky Pup ein Irish-Gastropub-Konzept betreibt. An der Vilamoura Marina ist das Whale noch ein Neuling, es ist erst seit wenigen Monaten geöffnet. Ein bisschen Pub-DNA ist trotzdem geblieben, mit Sportübertragungen, Livemusik und neuerdings einem Sunday Roast.

Frontrow an der Marina liegt das Restaurant
Palmen, grosse Sonnenschirme und ein freier Blick auf die Yachten. Das The Whale bringt eine überraschend mediterrane Leichtigkeit in das Konzept eines klassischen Irish Gastropubs.

Sonnenuntergang an der Vilamoura Marina: Unser Tisch an der Glasbrüstung

Wir sitzen in der ersten Reihe, direkt an der Glasbrüstung, mit dem Rücken zur Promenade. Als wir ankommen, steht die Sonne noch knapp über den Masten und taucht die Terrasse in ein Gegenlicht, das jede Wasserkaraffe und jede Pfeffermühle auf dem Tisch zum Leuchten bringt. Unten im Becken schaukeln die Motoryachten, auf der anderen Seite ragt das Tivoli Marina Vilamoura in den Abendhimmel.

Dann geht alles ziemlich schnell. Die Sonne verschwindet hinter dem Wald aus Masten, der Himmel wechselt von Gelb zu Orange, ein paar Wolkenfetzen färben sich pink. Auf unserem Tisch geht die kleine Lampe an, ihr Licht fällt warm auf das Holz, während sich die Boote im stillen Wasser spiegeln.

Die Karte ist so international wie das Publikum an der Promenade: Popcorn Shrimp mit Sriracha-Mayonnaise, Bang Bang Chicken mit koreanischer Sauce, Ibérico-Manchego-Kroketten mit Yuzu-Aioli, daneben Fish & Chips und Burger im Brioche-Bun. Pub trifft Pazifik, mit einem Abstecher an die Algarve.

Genau dort beginnen wir: mit dem traditionellen Oktopussalat nach Algarve-Art. Dazu ein Glas Weisswein. Danach kommt Surf & Turf auf den Tisch: ein Steak, auf dem eine gegrillte Riesengarnele thront.

Wer unter den Restaurants in Vilamoura ein romantisches Fine-Dining-Erlebnis sucht, ist im Whale vermutlich an der falschen Adresse. Wer dagegen bei gutem Essen und einem Glas Wein das Treiben an der Marina beobachten möchte, dürfte sich wohlfühlen. Unser Tipp: Unbedingt einen Tisch in der ersten Reihe an der Glasbrüstung reservieren und rechtzeitig vor Sonnenuntergang kommen. Die Aussicht ist hier mindestens so gut wie das Essen.

Champagner mit Blick auf die Yachten
Ein Champagnerkühler, dahinter die Segelmasten der Marina Vilamoura. Im The Whale sitzt man so nah am Hafenbecken, dass die Boote beinahe in Griffweite liegen.

WAS AUCH NOCH SPANNEND IST