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Springfontein Wine Estate: Wie ein Deutscher den Wein nach Stanford brachte

Grauer Himmel, feiner Nieselregen, ein Innenhof mit vielen Palmen. So empfängt uns das Springfontein Wine Estate am Nachmittag unserer Weinverkostung bei Stanford, keine halbe Autostunde von Hermanus und keine zehn Minuten von der Mosaic Lagoon Lodge entfernt.

Drinnen dann der Kontrast: ein gelb getünchter Raum mit freigelegtem Bruchsteinmauerwerk, mehrere Kronleuchter unter einem historischen Reetdach und ein Weinregal, das fast bis zur Decke reicht. Der Laden ist voll, jeder Tisch besetzt. Auf den dunklen Holztischen, umgeben von Perserteppichen, wartet bereits das Verkostungsset. Ein schwarzer Heizpilz kämpft derweil tapfer gegen die feuchte Kühle an.

Es fühlt sich weniger nach Degustationsraum an als nach einem Wohnzimmer, in dem zufällig auch ziemlich guter Wein ausgeschenkt wird. Vielleicht passt genau deshalb der Name so gut: Die Ulumbaza Wine Bar im Springfontein Wine Estate bedeutet «Haus der Freude».

Weinführer in verschiedenen Farben präsentiert
Nicht nur hübsche Etiketten: Die Weine von Springfontein haben sich auch im südafrikanischen Platter’s Wine Guide einen Namen gemacht.

Springfontein Wine Estate: Vom Bauernhaus zum Weingut

Der Raum selbst ist Teil der Geschichte von Springfontein. Das Gebäude, in dem wir sitzen, ist rund 200 Jahre alt. Ursprünglich war es das Bauernhaus der Farm, heute ist es Weinstube und eines der Herzstücke des Weinguts.

Ihren Namen verdankt die Farm einer natürlichen Quelle im Nordosten des Geländes. «Spring» steht im Afrikaans für das springende, sprudelnde Wasser, «fontein» für die Quelle. Springfontein bedeutet damit sinngemäss «sprudelnde Quelle». Und genau dieses Wasser machte Landwirtschaft auf dem ansonsten ziemlich eigenwilligen Boden überhaupt erst möglich.

Eine Anzeige in der Decanter: Wie Johst Weber Springfontein entdeckte

Und dann ist da diese Geschichte, die Springfontein erst richtig spannend macht. Im Dezember 1995 sitzt der deutsche Ingenieur und Betriebswirt Dr. Johst Weber am Flughafen Heathrow und wartet auf seinen Anschlussflug. Beim Blättern durch das Weinmagazin Decanter bleibt sein Blick an einer kleinen Anzeige hängen: Land in Südafrika, Kalksteinböden, Potenzial für hochwertige Weinberge.

Drei Monate später reist Weber zum ersten Mal ans Kap. Bereits am zweiten Tag steht fest: Er kauft die damals ziemlich heruntergekommene Farm bei Stanford. Besiegelt wird das Ganze per Handschlag.

Finanziert wird das Projekt gemeinsam mit seiner damaligen Frau Anja, den beiden Kindern und sieben befreundeten Paaren. Dafür gründen sie die Dachgesellschaft «Someeno», kurz für «South meets North», angelehnt an den südafrikanischen Ubuntu-Gedanken.

Die Reaktionen aus der Weinwelt sind allerdings alles andere als euphorisch. Etablierte Winzer lassen Weber wissen, dass man auf Springfontein vielleicht wenigstens guten Essig produzieren könne. Besonders ermutigend klingt das nicht.

Trotzdem werden Ende der 1990er-Jahre die ersten Reben gepflanzt. Im Jahr 2000 folgt die erste Ernte. Anfangs gehen die Trauben noch an etablierte südafrikanische Produzenten, bevor 2004 der erste eigene Kellerabschnitt eröffnet und Springfontein seinen Wein unter eigenem Namen abfüllt.

Elegantes Restaurant mit rustikalem Charme
Drinnen wird es farbenfroh. Zwischen Weinflaschen und Kronleuchtern zeigt Springfontein, dass ein Tasting Room nicht immer aussehen muss wie ein Weinkeller.

Springfontein Wine Estate: Kalkstein, kühles Klima und eine eigene Appellation

Ausgerechnet der Boden, der die Landwirtschaft auf Springfontein lange so schwierig machte, sollte später zum grössten Trumpf des Weinguts werden. Das Springfontein Wine Estate liegt in der kühlen Walker-Bay-Region nahe der Klein River Mountains. Der Atlantik und der Benguela-Strom sorgen für ein vergleichsweise frisches Klima, während unter den Reben ein seltener alkalischer Kalksteinboden liegt, wie er in Südafrika nur an wenigen Orten vorkommt.

Auch landschaftlich ist das Gebiet ungewöhnlich ursprünglich. Mehr als 90 Prozent der Fläche sind bis heute von natürlichem Fynbos bedeckt. Seit 2018 verfügt Springfontein sogar über eine eigene offizielle Herkunftsbezeichnung: Wine of Origin Springfontein Rim. Eine sogenannte Monopole-Appellation nach burgundischem Vorbild, die praktisch ausschliesslich vom Weingut selbst genutzt wird.

Ebenso konsequent arbeitet Springfontein im Weinberg und Keller. Die Rebflächen werden seit 1995 biologisch bewirtschaftet und sind seit 2018 offiziell zertifiziert. Vergoren wird ausschliesslich mit natürlichen, ortseigenen Hefen. Die Weine sind vegan und unfiltriert, jede Traube wird von Hand gelesen und sortiert. Dazu kommen eine eigene Rebschule und ein eigenes Kompostierprogramm.

Weinflaschen mit humorvollem Schild
«Don’t drink and walk on the water. You may drown.» Springfontein beweist, dass man Wein durchaus mit einer Portion Humor servieren darf.

Springfontein Wine Estate: Chenel und Pinotage im Mittelpunkt

Im Zentrum von Springfontein Wine Estate stehen Pinotage und eine Rebsorte, die selbst vielen Südafrikanern kaum bekannt ist: Chanel. Die Sorte wurde in den 1970er-Jahren aus Chenin Blanc und Trebbiano Toscano gekreuzt und geriet später weitgehend in Vergessenheit. Springfontein brachte 2020 den ersten eigenen Jahrgang auf die Flasche und gehört heute zu den wenigen Produzenten, die diese dickschalige Rebsorte konsequent weiterentwickeln.

Pinotage spielt ebenfalls eine tragende Rolle. Die südafrikanische Paradesorte passt gut zu den besonderen Kalksteinböden von Springfontein und gehört zu den wichtigsten Bausteinen des Portfolios.

Für Cuvées mit europäischen Rebsorten, darunter vor allem klassische Bordeaux-Sorten, ist die Schwester-Kellerei Cape Moby zuständig. Auch hier stammen die Trauben ausschliesslich vom eigenen Gut.

Mit Vino Vito gibt es zudem eine dritte Linie, die sich gezielt an afrikanische Märkte richtet. Gleichzeitig verfolgt Springfontein damit ein soziales und weinbauliches Projekt: Mit jeder verkauften Flasche wird die Domaine d’Akuaba in Togo unterstützt, wo aktuell die ersten Chardonnay- und Pinotage-Rebflächen des Landes entstehen.

Weinverkostung im Springfontein Wine Estate: Südafrika im Glas und Stanford im Herzen

Auf unserem Verkostungstisch im Springfontein Wine Estate stehen an diesem Nachmittag sechs Flaschen. Dazwischen zwei getrocknete Protea-Blüten, fast ein bisschen so, als müsste man uns noch daran erinnern, wo wir gerade sind. Südafrika im Glas und auf dem Tisch.

Durch die Verkostung führt uns Zinhle Makhetha. Und das macht sie so angenehm, dass du hier definitiv kein wandelndes Weinlexikon sein musst. Sie erklärt uns fachkundig, was im Glas steckt, erzählt von Rebsorten, Böden und den Besonderheiten der einzelnen Weine, aber immer so, dass auch wir als Nicht-Weinkenner verstehen, was sie meint. Keine komplizierte Weinsprache, bei der du irgendwann nur noch wissend nickst und hoffst, dass niemand nachfragt. 

Wir kosten uns durch Springfontein, vom weissen «Dark Side of the Moon» aus der Limestone-Rocks-Linie über den roten «Gooda Da Vida» bis zur «Terroir Selection» mit ihren auffälligen Etiketten, die selbst schon fast kleine Kunstwerke sind. Zinhle schenkt nach, erklärt, beantwortet unsere Fragen und lässt uns trotzdem genügend Zeit, selbst herauszufinden, was uns schmeckt.

Dabei gibt es hier ohnehin ständig etwas zu entdecken. An der Bar hängen die Weingläser kopfüber vor blankem Bruchstein. Direkt daneben lesen wir: «Don’t drink and walk on the water, you may drown.» Dieser wunderbar trockene Cape-Humor, bei dem du kurz überlegen musst und dann doch grinst. Zwischen den Flaschen klebt etwas schief ein «I love Stanford»-Sticker. Kein grosses Marketing, einfach ein bisschen Lokalpatriotismus. Und irgendwie passt genau das zu diesem Ort.

Wir sitzen länger, als wir eigentlich vorhatten. Vielleicht liegt es am Wein, vielleicht an der Atmosphäre. Oder doch daran, dass draussen die Welt mal wieder im Regen versinkt. Wahrscheinlich an allem ein bisschen. Springfontein ist kein Ort, an dem jede Ecke auf Hochglanz poliert und für Instagram zurechtgerückt wurde. Genau das macht den Charme aus. 

Rund um Springfontein Wine Estate: Wo schlafen, wo essen, wo golfen...

WAS AUCH NOCH SPANNEND IST