Frische Tücher im Fond eines grossen Mercedes, gereicht direkt nach der Landung, noch bevor wir die Waterfront überhaupt sehen. So beginnt unsere Reise ins The Silo Hotel Kapstadt. Und spätestens als wir wenig später in einem Lift stehen, in dem ein Kristalllüster von der Decke hängt, ist klar: Hier macht selbst der Weg aufs Zimmer mehr Aufhebens als anderswo die Lobby.
The Silo ist kein Hotel, das sich langsam erklärt. Es knallt dir Farben, Kunst, Aussicht und eine ziemlich selbstbewusste Portion Exzentrik direkt ins Gesicht . Und genau deshalb bleibt es hängen. Du betrittst dieses Haus und weist nach wenigen Minuten, dass du später noch oft davon erzählen wirst.
Nach Royal Malewane im Thornybush Game Reserve, Birkenhead House in Hermanus und La Residence in Franschhoek dachten wir eigentlich, wir wüssten, was uns bei The Royal Portfolio erwartet. Falsch gedacht. Wer glaubt, ein ehemaliger Getreidespeicher müsse kühl, reduziert und industriell daherkommen, hat Liz Bidens Handschrift noch nicht erlebt.
Am Empfang wartet Champagner. Wenig später im Zimmer eine gekühlte Flasche, eine persönliche Nachricht des Teams, frisches Obst, Schokolade und eine kleine Platte mit Käse und Gemüse-Sticks. Viel Aufmerksamkeit, ohne dass sie laut werden muss. Wobei leise im The Silo ohnehin relativ ist.
Was uns auf dieser Reise durch alle vier Häuser des Royal Portfolio besonders fasziniert, sind diese kleinen Details, die immer wieder auftauchen und sich wie ein leiser roter Faden durch die Häuser ziehen. Da sitzt du in Kapstadt beim Frühstück, schaust auf den grünen Tischuntersetzer und plötzlich ist er wieder da: dieselbe Palme, derselbe trompetenspielende Affe, den du schon in einem anderen Haus der Gruppe entdeckt hast. Zufall ist das natürlich nicht. Es ist Handschrift. Fast wie ein kleines Easter Egg für alle, die schon öfter bei Liz Biden zu Gast waren. Und irgendwie fühlt es sich an wie ein stilles «Willkommen zurück», noch bevor überhaupt jemand etwas gesagt hat.
The Silo Hotel Kapstadt: Ein Kornspeicher wird zum Kunstwerk
Wenn du heute im The Silo stehst, ist kaum vorstellbar, dass hier einmal Weizen und Mais gelagert wurden. 1921 entstand der Grain Silo Complex an der V&A Waterfront als reines Arbeitsgebäude. Laut, staubig, funktional. Heute wachst du hier zwischen Kunst, Glas und Kapstadt-Panorama mit Tafelberg auf, und genau dieser Gegensatz macht für uns den Reiz aus.
Schon von aussen wirken die berühmten, nach aussen gewölbten «pillowed-glass windows» fast wie riesige Libellenaugen. Drinnen verändern sie das Licht im Laufe des Tages ständig. Am schönsten fanden wir sie früh am Morgen, wenn die Sonne langsam über dem Hafen aufgeht und das ganze Zimmer in dieses warme, goldene Licht taucht. Beton, alte Strukturen und industrielle Details sind überall noch sichtbar. Gleichzeitig treffen sie auf kräftige Farben, Samt, Kunst und dieses bewusst exzentrische Design, das im The Silo praktisch an jeder Ecke wartet. Gerade das gefällt uns so gut. Nichts wirkt austauschbar.
Und genau da verändert sich auch das Gefühl, hier Urlaub zu machen. Denn The Silo ist nicht einfach ein Luxushotel, in dem zufällig ein paar schöne Bilder hängen. Es ist ein Kunsthotel. Du schläfst praktisch über und in einem Museum, und die Kunst begleitet dich vom Zimmer bis zum Frühstück. In den Fluren, in der Lobby, im Restaurant, selbst dort, wo du sie zunächst gar nicht erwartest. Wir haben uns immer wieder dabei ertappt, stehen zu bleiben, weil wir auf dem Weg irgendwohin schon wieder etwas entdeckt hatten. Wer tiefer eintauchen möchte, kann sich an Michael Jacobs, den Art Concierge des The Silo, wenden. Dazu kommen wir aber später noch im Detail.
Unsere Duplex Suite im The Silo Hotel
Wir wohnten in einer Duplex Suite, und der Name ist hier tatsächlich Programm. Das Leben verteilt sich auf zwei Etagen: unten der grosszügige Wohnbereich, oben Schlafzimmer, Badezimmer und ein begehbarer Kleiderschrank, in dem man sich beinahe verlaufen könnte. Oben wartet der eigentliche Wow-Moment. Hier sitzen jene pillenförmigen Fenster, die das Silo von aussen so unverwechselbar machen. Nur schaut man jetzt nicht mehr zu ihnen hinauf, sondern durch sie hindurch, direkt auf die V&A Waterfront und hinunter auf das Dach des Zeitz MOCAA. Dort fallen sofort geheimnisvolle Zeichen auf, die ein wenig an Hieroglyphen oder Zeichnungen von Ausserirdischen erinnern. Tatsächlich stammen sie vom 2016 verstorbenen togolesischen Künstler El Loko und gehören zu seinem sogenannten «Cosmic Alphabet».
Hier stehen wir also an unserem Fenster, noch vor dem Frühstück, den ersten Kaffee des Tages in der Hand. Draussen steigt die Sonne dunkelrot über Kapstadt auf und taucht Himmel, Hafen und Waterfront erst in tiefes Rosarot, dann in warmes Orange. Für ein paar Minuten verändert sich die ganze Stadt. Da wird selbst der erste Kaffee zur Nebensache, und das will bei uns wirklich etwas heissen. Kein Filter hätte diesen Moment schöner machen können. Unbezahlbar, und das in einem der besten Hotels Kapstadts, wo dieses Wort ausnahmsweise einmal wunderbar ironisch passt.
Auch drinnen hält sich das Silo mit leisen Tönen eher zurück. Senfgelb trifft auf Türkis, zeitgenössische Kunst auf rustikales Holz, Samt auf Stahl. Zurückhaltung gehört definitiv nicht zum Designkonzept – und genau das lieben wir. Hier darf Farbe laut, Kunst eigenwillig und ein Hotelzimmer ein bisschen verrückt sein. Beige und Standard können schliesslich Andere.
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Über den Dächern Kapstadts: Rooftop & Pool im The Silo Hotel
Ganz oben im Silo wird es noch einmal spektakulär. Vorbei an Sky Terrace und Lounge wartet der Ort, an dem selbst Menschen, die sonst behaupten, «nicht so der Foto-Typ» zu sein, plötzlich das Handy zücken: der beheizte Dachpool.
Das Wasser scheint über Kapstadt zu schweben, eingefasst von Plexiglas und gerahmt von mächtigen, unverputzten Betonstützen. Dazwischen präsentieren sich Signal Hill und Lion’s Head so perfekt, dass du kurz vermutest, jemand hätte die Kulisse eigens fürs Silo arrangiert.
Am schönsten soll es kurz vor Sonnenuntergang sein – das erzählt uns im Haus gefühlt jeder. Also bleibt uns natürlich nichts anderes übrig, als die Sache selbst zu überprüfen. Und tatsächlich: Sobald die tief stehende Sonne durch die massiven Betonbögen fällt und das Rooftop für ein paar Minuten in Gold taucht, wird es gefährlich nah an Postkartenkitsch mit Tafelberg Idylle.
Für mich ein Vodka-Martini , für den Herrn einen Negroni – so verbringen wir unseren letzten Abend in Sesseln mit Leoparden-Samtkissen und Kapstadt vor der Nase. Während das Licht langsam weicher wird, entwickelt sich aus «wir trinken nur noch einen» erstaunlich schnell ein «okay, einen letzten noch».
Die Dachterrasse ist auch für externe Gäste zugänglich, der Pool dagegen bleibt den Hotelgästen vorbehalten. Und dann wäre da noch dieses Panorama: Von hier oben liegt dir Kapstadt tatsächlich zu Füssen. Der 360-Grad-Blick reicht über die V&A Waterfront mit ihrem berühmten Riesenrad und den Hafen hinaus aufs Meer, weiter zum Cape Town Stadium, über Signal Hill und Lion’s Head bis zum Tafelberg, der auch aus dieser Perspektive ziemlich souverän die Hauptrolle übernimmt.
The Silo Hotel Kapstadt: Frühstück mit Blick auf den Tafelberg
Wahrer Luxus zeigt sich für uns ohnehin weniger an Sternen als in diesen kleinen Momenten. Wenn das Team bereits einen Morgen später weiss, wie wir unseren Kaffee trinken, dass der Herr lieber herzhaft in den Tag startet, während die Dame bei Croissants, Pancakes und allem Süssem ihre guten Vorsätze ziemlich schnell vergisst. Wenn Wünsche nicht jedes Mal ausgesprochen werden müssen, weil jemand aufmerksam zuhört und sich die Kleinigkeiten merkt.
Mdu, der uns morgens betreute, beherrschte genau diese Kunst. Bei gerade einmal 28 Zimmern bleibt im The Silo offenbar nicht nur die Zimmernummer hängen, sondern auch der Mensch dahinter. Persönlich, herzlich und aufmerksam, ohne dass irgendetwas einstudiert wirkt. Wie persönlich Gastfreundschaft hier gelebt wird, erleben wir auch an Geburtstagen. Beim Frühstück bleibt es nicht beim Mimosa aufs Haus: Das Team überrascht uns mit einem kleinen Ständchen und einem Stück Schokoladentorte samt Kerze, dazu «Happy Birthday» in Karamell auf dem Teller.
Kulinarisch kann der Morgen da locker mithalten. Auf den Tisch kommt eine mehrstöckige Etagere mit frischem Obst, Joghurt und Gebäck, dazu Croissants in diversen Varianten. Für mich Beeren mit Hausmüsli und Eggs Benedict – Lion’s Head und Tafelberg inklusive. Wer weiterprobieren möchte, bestellt à la carte: vom Coconut Chia Pudding über Miso-Pilze auf Toast und Sweetcorn Fritters bis zu karamellisierten Apfel-Waffeln.
Wenn du hier sitzt, kannst du stundenlang zusehen, wie unten das Leben der Waterfront vorbeizieht – und wir haben genau das getan, ganz ohne schlechtes Gewissen. Jogger, die ihre Runden drehen. Busse, die ihre Touristengruppen abladen. Sicherheitskräfte, die Autos kontrollieren und dabei Witze mit den Fahrern reissen. Hafenarbeiter auf dem Weg zur Schicht, das Riesenrad der Waterfront, das sich gemächlich im Hintergrund dreht. Kapstadt bei der Arbeit, während wir bei nichts als Kaffee, Tee und Aussicht sassen.
Ehrlich gesagt: Bessere Unterhaltung musst du beim Frühstück kaum suchen. Ausser, du hast – wie wir – einen besonders gesprächigen Nachbartisch. Dort erzählte uns ein amerikanischer Gast voller Stolz, dass er seine komplette Reise mit ChatGPT geplant habe – vom Flug bis zur Tischreservation. «Das ist heutzutage das Einzige, was man noch braucht», verkündete er zwischen zwei Bissen Croissant, sichtbar zufrieden mit sich selbst. Auf The Silo war er übrigens genau so gestossen: ChatGPT hatte ihm das Haus als eines der luxuriösesten Hotels der Stadt vorgeschlagen. Wir denken uns, “da hat er Glück gehabt” und lächeln freundlich weiter.
The Silo Spa: Eine Massage, die nicht nach Schema F funktioniert
Im Spa im vierten Stock bekommst du die zweitbeste Massage der Welt. Denn die beste könnte ja noch kommen. Aber sehr, sehr nah dran.
Wer hier als Therapeutin oder Therapeut arbeitet, bringt mindestens zehn Jahre aktive Berufserfahrung mit. Und ganz ehrlich, genau das haben wir gespürt. Schon nach den ersten Minuten hatten wir nicht das Gefühl, irgendeine Massage von der Karte gebucht zu haben, sondern genau die Behandlung zu bekommen, die unsere Körper in diesem Moment brauchten.
Schultern, Rücken, Hüfte, irgendwo meldet sich eigentlich immer etwas. Umso mehr beeindruckte uns, wie aufmerksam hier gearbeitet wurde. Nicht einfach ein bisschen drücken, kneten, fertig. Sondern hinschauen, nachfragen, reagieren. Ein Tipp also aus tiefstem Herzen chronisch verspannter Golfer: Diese Massage würden wir jederzeit wieder buchen.
Der Spa selbst ist bewusst klein gehalten: vier Behandlungsräume und eine Sauna. Ein Dampfbad gibt es absichtlich nicht, denn die Feuchtigkeit würde den Kunstwerken im Museum darunter nicht guttun. Auf derselben Etage liegt ausserdem ein kleiner Fitnessraum, der jedem Bodytuner Genüge tut.
Der Art Concierge im The Silo Hotel: Michael und die Kunst hinter der Kunst
Unter dem Hotel liegt das Zeitz MOCAA. Dafür wurden die ehemaligen Siloröhren spektakulär aufgeschnitten und in Ausstellungsräume verwandelt. Das Museum für zeitgenössische Kunst aus Afrika und seiner Diaspora eröffnete wie das Hotel 2017 und gehört für uns ganz selbstverständlich zu einem Aufenthalt dazu.
Es gibt Museumsführungen, die Fakten abspulen. Und es gibt einen Nachmittag mit Michael. Michael Jacobs, Art Concierge des Silo und einst Teil des Gründungsteams des Zeitz MOCAA, nimmt uns zunächst mit in «The Vault», die private Galerie tief unter dem Hotel mit über 300 Werken zeitgenössischer afrikanischer Kunst. Danach geht es ins Museum und zur Sammlungsausstellung «Sala».
Der Titel stammt aus dem Nguni, erklärt uns Michael. «Sala kahle» bedeutet «Bleib wohl», jener Teil eines Abschieds, den man dem zuruft, der zurückbleibt, während man selbst geht. Und genau das tun wir. Wir bleiben, stehen und schweigen.
Vor einer Fotoserie, in der eine kniende Gestalt in Blau vor leuchtend rotem Hintergrund langsam zu einem riesigen Fächer aus dunklen Federn erwächst. Vor einer meterhohen geballten Faust, die scheinbar direkt aus der Wand wächst. Vor Schwarzweissporträts von unglaublicher Intimität. Auch Werke von Zanele Muholi sind Teil von «Sala». Bilder, die uns so nahekommen, dass wir uns beinahe wie Eindringlinge fühlen.
Ganz ehrlich, auch wenn wir weder Kunstkenner noch ausgewiesene Kunstliebhaber sind: Das ist unsere unbedingte Empfehlung. Denn kaum irgendwo bekommst du an einem Tag einen so intensiven Einblick in zeitgenössische afrikanische Kunst, ihre Geschichten und Perspektiven. Und vielleicht ist genau das das Spannende: Du musst Kunst nicht verstehen, damit sie etwas mit dir macht.
Für wen sich The Silo lohnt
Hier ist nichts leise, glattgebügelt oder austauschbar. Das Haus ist farbenfroh, eigenwillig, kunstverliebt und manchmal herrlich exzentrisch. Wer Kapstadt nicht nur sehen, sondern auch ein bisschen spüren möchte, ist hier richtig. Die V&A Waterfront liegt direkt vor der Tür und kann ohne Probleme und sicher zu Fuss erreicht werden, das Zeitz MOCAA praktisch unter dem Hotel und vom Rooftop bekommst du die Stadt einmal komplett als Panorama serviert. Dazu kommen Spa, Kunst, lange Frühstücke und dieses besondere Gefühl, dass das Hotel selbst Teil der Reise ist und nicht nur der Ort, an dem du abends ins Bett fällst.
Gerade wenn danach noch Hermanus, die Garden Route oder die Golfplätze des Westkaps warten, ist The Silo ein ziemlich spektakulärer Ausgangspunkt. Deshalb würden wir den Aufenthalt auch nicht zu knapp planen.
Unser Tipp: Gönn dir drei Nächte. Zwei reichen, um das Haus und die Stadt kennenzulernen. Drei geben dir die Zeit, Kapstadt wirklich zu erleben. Vier oder fünf Nächte lohnen sich vor allem dann, wenn The Silo und die Kunst selbst einen grossen Teil deiner Kapstadt-Reise ausmachen soll, oder du eine hervorragende und sichere Base in Kapstadt suchst. Für uns sind drei der Sweet Spot. Denn in einem Hotel wie diesem wäre Eile ziemlich sicher kein Luxus.
Für uns war The Silo gleichzeitig der Schlusspunkt einer jahrelangen faszinierenden Reise durch “The Royal Portfolio”. Nach Royal Malewane, Birkenhead House und La Residence kennen wir nun auch das letzte Haus der Gruppe persönlich. Wenn du neugierig geworden bist, lies gerne auch unsere anderen Reportagen. Vielleicht ist dein nächstes Lieblingshotel darunter. Viel Spass beim Entdecken!
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