Hermanus, der kleine Küstenort, hat sich kulinarisch zu einer sehr guten Adresse entwickelt, bei der man erstaunlich schnell merkt: Hier isst man nicht einfach «irgendwo am Meer». Hier gehört gutes Essen zum Lebensgefühl.
Zwischen Fynbos-Hängen, Walker Bay, Flussläufen, Lagunen und dem Hemel-en-Aarde Valley findest du eine schöne Mischung aus unkomplizierten Cafés, lässigen Bistros, Lieblingsadressen, Seafood-Spots mit Meeresrauschen und Weingutrestaurants.
Das Schöne daran: Hermanus bleibt dabei angenehm entspannt. Hier gibt’s keinen steifen Fine-Dining-Zwang, sondern viele Orte mit Charakter, Aussicht und ehrlicher Küche. Mal sitzt du direkt über den Felsen mit Blick auf die Brandung, mal im Garten eines kleinen Cafés, mal mit einem Glas Chardonnay im Weintal.
Und noch ein Grund, warum sich eine Restaurant-Liste für Hermanus besonders lohnt: Die meisten Gästehäuser im Ort servieren ausschliesslich Frühstück. Ein Dinner gehört selten zum Angebot. Wer abends essen will, geht aus. Kein Nachteil, eher ein Anlass: Genau deshalb bündeln wir hier unsere liebsten Adressen, von der Hotelküche mit Klippenblick über die Fischerhütte mit hundertjähriger Geschichte bis zur Steaklocation mit Steampunk-Charme.
Hier kommen unsere liebsten Tipps und Adressen für Hermanus, Orte, die du während eines Aufenthalts unbedingt einplanen solltest. Für gutes Essen, schöne Ausblicke, besondere Atmosphäre und diese kleinen Momente, die aus einem Urlaub erst eine richtige Reise machen.
The Pavilion Hermanus: Fynbos auf dem Teller, Walker Bay vor dem Fenster
The Pavilion im The Marine Hermanus ist so etwas wie die feine Antwort auf die Frühstücks-only-Gästehäuser der Stadt: das Hauptrestaurant des traditionsreichen The Marine, direkt über der Klippenküste mit Blick auf die Walker Bay und mit Frühstück, Lunch und Dinner durchgehend geöffnet.
Vor nicht allzu langer Zeit wurde The Pavilion von Dawn Dickerson und Carmel Naudé (HotCocoa Interiors & Design) überarbeitet, inspiriert von der Fynbos-Landschaft rund um die Bucht: viel Moosgrün, Pflanzen, florale Stoffe, Holz und grüne Marmorelemente, dazu die ursprünglichen schwarz-weissen Böden als Kontrast. Im Korridor zur Sun Lounge warten handgemalte Murals der Künstlerin Tiziana Giardini mit Proteas, Pincushions, Aloen und Vögeln, ein schönes Detail für alle mit Blick fürs Handwerk. Und mittendrin: eine gläserne Weinkellerei, so beleuchtet, dass die Flaschen fast unter einem eigenen Sternenhimmel zu schweben scheinen.
Kulinarisch bleibt die Küche nah am Overberg: Auf der Dinnerkarte stehen West Coast Oysters, South Atlantic Tuna Tartare, Smoked Springbok Carpaccio, Cape Crayfish Salad und das hauseigene Dalewood Huguenot Cheese Soufflé, dazu Klassiker wie Catch of the Bay und ein Dark Chocolate Fondant zum Ausklang.
Man sollte The Pavilion dabei nicht als Fine-Dining-Tempel erwarten. Die Haltung ist eine andere: elegante, entspannte Hotelküche mit regionalem Bezug, viel Hermanus im Interior und noch mehr Overberg auf dem Teller. Fynbos draussen, Fynbos drinnen, Walker Bay vor dem Fenster. Kürzer lässt sich The Pavilion kaum zusammenfassen. Eine unserer Lieblingsadressen, auch für die frischen Austern.
Gut zu wissen: Vor dem Dinner haben wir uns in der hauseigenen Sun Lounge & Bar schon einmal sehr erfolgreich in Stimmung gebracht. Elegant, hell, entspannt und mit einem Blick über die Walker Bay, bei dem aus «nur kurz auf einen Drink» erstaunlich schnell «wir bleiben noch einen». Unsere Empfehlung: ein Glas MCC. Südafrika kann schliesslich nicht nur Meerblick, sondern auch ziemlich gut prickeln. Wer lieber mixt statt perlt, findet auf der Karte natürlich auch internationale Cocktails sowie den hauseigenen «Whale Watcher».
Fisherman’s Cottage Hermanus: Seafood mit Geschichte am Old Harbour
Fisherman’s Cottage ist eine kleine Hermanus-Institution und erlebt gerade ihr nächstes Kapitel. Das Gebäude an der Harbour Road, ein paar Schritte vom Old Harbour entfernt, stammt aus dem späten 19. Jahrhundert und war ursprünglich das Wohnhaus der Fischerfamilie Hamman. 1991 wurde das historische Cottage zum Restaurant, heute gilt es als ältestes Seafood-Restaurant der Stadt.
Seit März 2026 gehört das Fisherman’s Cottage vollständig Chef Michael Broughton, der zuvor jahrelang das Terroir in Stellenbosch führte, das regelmässig zu den südafrikanischen Eat-Out-Top-10 zählte. Nach dem Tod des früheren Betreibers Anton Verhoogt 2025 half Broughton zunächst aus, beteiligte sich später am Betrieb und übernahm schliesslich ganz. Im Mai 2026 folgte eine Renovierung.
Seine Philosophie passt zum Haus: «simple things done well». Statt das Cottage in ein steifes Fine-Dining-Restaurant zu verwandeln, soll es bewusst unkompliziert bleiben. In Shorts und Flip-Flops ist man willkommen, solange man gut isst, eine schöne Zeit hat und wiederkommen möchte. Auf der Karte: Smoked Snoek Pâté, Mussel Chowder, Seafood Curry, Soft Shell Crab, Seafood Paella, Crayfish Thermidor, dazu ein täglich wechselndes Blackboard für den frischesten Fang des Tages.
Zum Cottage gehört auch ein winziger Pub, den das Haus selbst augenzwinkernd als «one of the smallest pubs in Africa» bezeichnet, dazu eine Garden Terrace. Gleich nebenan liegen Kunstgalerien, der Old Harbour Craft Market und das Whale Museum. Man sitzt hier also nicht in einem Restaurant, das auf Fischerhütte gemacht wurde, sondern tatsächlich in einer über hundert Jahre alten.
Ganz so romantisch, wie das klingt, fühlt es sich allerdings nicht überall an. Der Innenraum erinnert stellenweise eher an eine überdachte Terrasse oder einen offenen Biergarten, der mit Plastikfolie wind- und wetterfest gemacht wurde. Das nimmt dem Ort ein wenig von seinem historischen Charme. Kulinarisch bleibt Fisherman’s Cottage trotzdem spannend, denn auf den Teller kommt moderne südafrikanische Küche von einem der bekanntesten Köche des Landes.
Ficks Hermanus: Pinchos auf den Klippen über dem Tidal Pool
Ficks Pinchos & Wine liegt in die Klippen eingebettet, über dem historischen Fick’s Tidal Pool am Küstenweg in Westcliff. Eine Art geheimes Hermanus, das Tagestouristen oft nicht finden. Über Treppen geht es von der Marine Drive hinunter zu den hölzernen Terrassen, die sich um den Gezeitenpool ziehen. Unter dir brechen die Wellen an den Felsen, vor dir liegt der Atlantik.
Der Pool selbst ist älter als jedes Restaurant hier. Schon in den 1920er-Jahren wurde eine Betonmauer in die Bucht gebaut, als wahrscheinlichstes Entstehungsjahr gilt 1933. 1965 wurde der Pool noch einmal deutlich erweitert und auf rund 50 Meter verlängert. Woher der Name stammt, ist bis heute nicht ganz geklärt. Vielleicht geht er auf den damaligen Schulleiter J. J. Fick zurück, vielleicht auf Josias Servaas Fick, der hier regelmässig schwimmen ging. Sicher ist nur: Der Name «Ficks Pool» sorgt bis heute immer wieder für ziemlich feuchtfröhliche Lacher.
Auf der Karte stehen Pinchos, kleine, von der nordspanischen Küche inspirierte Gerichte zum Teilen: knusprige Garnelen, gegrillter Tintenfisch auf schwarzem Reis, Lammhackbällchen, Patatas Bravas, dazu Wein und Cocktails. Man bestellt ein paar Teller, bleibt länger sitzen und schaut aufs Meer, statt sich durch ein klassisches Drei-Gänge-Menü zu arbeiten. Für uns war Ficks deshalb perfekt für den kleinen Hunger am Mittag.
Während der Walsaison ziehen von den Terrassen aus mit etwas Glück Southern Right Whales durch die Walker Bay. Wichtig zu wissen: Ficks ist komplett Open Air. Bei Regen oder starkem Wind bleibt es entsprechend geschlossen, und reserviert wird grundsätzlich nicht. First come, first served.
The Rock Hermanus: Seafood mit Logenplatz über dem New Harbour
The Rock in Hermanus ist für mich bis heute mit einer sehr klaren Erinnerung verbunden. Wir waren 2019 zum ersten Mal dort, und schon die Anfahrt hat mich damals nachdenklich gemacht.
Du kommst aus dieser gepflegten Gästehaus-Welt, fährst mit dem Mietwagen über saubere Strassen, alles wirkt ruhig, ordentlich, fast ein bisschen Ferienprospekt. Und dann verändert sich das Bild. Links und rechts siehst du einfache Häuser, Township-Realität, das andere Südafrika, das genauso zu diesem Land gehört wie die spektakulären Küsten, die Weingüter und die perfekten Sonnenuntergänge.
Nur wenige Minuten später sitzt du vorne an der Klippe in einem Restaurant mit Meerblick, gutem Service und einer Karte, die für Schweizer Verhältnisse fast moderat wirkt. Eine Seafood Platter für zwei liegt etwa bei R 850, also ungefähr CHF 40. Für uns klingt das erst einmal überschaubar. Im lokalen Kontext bekommt dieser Preis jedoch eine andere Bedeutung. Genau solche Kontraste gehören zu Südafrika dazu. Sie sind nicht immer bequem, aber sie machen das Reisen auch bewusster.
The Rock, oft auch The Harbour Rock genannt, ist trotzdem, oder gerade deshalb, eine meiner Lieblingsadressen in Hermanus. Die Lage ist schlicht grossartig: Seit 1997 sitzt das Restaurant direkt über dem New Harbour auf den Klippen und öffnet den Blick weit über die Walker Bay und das Meer.
Kulinarisch bin ich hier ohnehin schnell zu haben, denn ich liebe alles, was aus dem Meer kommt und auf meinem Teller landet. Frischer Fisch, Seafood, Grillgerichte und eine ziemlich präsente Sushi-Auswahl machen The Rock zu einer starken Adresse für alle, die Meeresküche mögen.
Und wer es etwas lockerer möchte, findet mit der angeschlossenen Gecko Bar die unkompliziertere Variante: Drinks, Musik, Hafenstimmung und dieses entspannte Hermanus-Gefühl, das man nach einem Tag an den Klippen ziemlich gut gebrauchen kann.
Char’d Hermanus: Steak, Steampunk und Feuer an der Waterfront
Char’d Grill & Wine Bar ist für alle gedacht, die nach so viel Fisch irgendwann wieder Lust auf ordentlich Fleisch bekommen. Das Restaurant liegt im Village Square direkt an der Hermanus Waterfront. Das Design ist bewusst auffällig: Industrial- und Steampunk-Look mit Vintage-Elementen, kein Steakhouse mit dunklem Leder und weisser Tischdecke.
Betreiber Petri Hendriksz setzt neben Klassikern wie Sirloin, Fillet und Rib-Eye auf ungewöhnlichere Cuts und eine möglichst umfassende Verwertung des Tieres. Auch bei den Zutaten schaut man gerne in die Nachbarschaft, bis hin zu den Kartoffeln. Das Fleisch wird direkt vor Ort zugeschnitten und gereift. Char’d unterscheidet zwischen Wet Aged, mindestens 40 Tage gereift, und Dry Aged. Letzteres kannst du sogar beim Reifen beobachten: Mitten im Restaurant steht der gläserne Dry-Aging-Schrank mit seiner markanten Wand aus Himalaya-Salzblöcken.
Ein Fun Fact zum Schluss: Selbst der Absacker bekommt im Char’d eine kleine Showeinlage. Die Kellner mit ihren charakteristischen Hüten und Schutzbrillen rücken mit einem Messingkesselchen und Gasbrenner an und erhitzen den Drink direkt am Tisch. Was danach ins Glas kommt, schmeckt für uns irgendwo zwischen Grog, Glühwein und einem sehr erwachsenen Tee. Offiziell wird ein hauseigener Sherry als Digestif ausgeschenkt. Ein bisschen Feuer, ein bisschen Steampunk und ordentlich Wärme von innen. Nach einem Steakabend in Hermanus kann man schlechter auf Wiedersehen sagen.
Lemonicious Hermanus: Sushi mit Wal-Kino am Old Harbour
Lemonicious liegt im Village Square direkt oberhalb des Old Harbour und positioniert sich klar als Seafood-, Sushi- und Grill-Adresse. Fine Dining ist das nicht, eher unkompliziert, lebendig und innen stellenweise fast ein wenig wie eine charmante Rumpelkammer. Der eigentliche Trumpf ist ohnehin ein anderer: die Lage. Kaum irgendwo sitzt man näher am Geschehen der Walker Bay. Kulinarisch bleibt Lemonicious konsequent an der Küste: frischer Linefish, Hake, Calamari, Prawns, Muscheln, Austern, dazu ein grosser Sushi-Bereich und Grillgerichte.
Wir waren bei trübem Wetter und feinem Nieselregen zum Lunch dort, bestellten Sushi, erstaunlich gut übrigens, und auch Fish & Chips können wir absolut empfehlen. Draussen lag die Walker Bay grau und schwer unter den Wolken. Dann hörten wir plötzlich den Whale Crier, den berühmten Walrufer von Hermanus, sein Horn blasen. Im nächsten Moment sprang direkt vor unserem Fenster ein Wal aus dem Wasser.
Und da war es um mich geschehen. Ich wurde auf der Stelle ziemlich emotional und war damit nicht allein. Im ganzen Restaurant fingen die Gäste an zu klatschen. Für ein paar Sekunden schaute niemand mehr auf seinen Teller.
Gelato Mania Hermanus: Die Eisdiele unserer Wahl
Das Gelato Mania liegt gleich unterhalb von Lemonicious, im selben Gebäude an der Marine Drive beim Old Harbour, und wurde während unseres Aufenthalts ziemlich schnell zu meiner täglichen Pflichtstation. Ein, zwei Kugeln am Tag mussten sein. Mindestens. Wobei «Kugeln» hier fast schon untertrieben ist: Zwei davon sind richtig gross und kosten rund 115 Rand. Nach Schweizer Massstäben darf man da eigentlich gar nicht lange überlegen.
Noch schöner wird die Sache, wenn man die Geschichte dahinter kennt: Gelato Mania startete 2006 genau hier in Hermanus mit einem einzigen Gelato-Stand. 2026 feiert das familiengeführte südafrikanische Unternehmen der Familie Kappatos bereits sein 20-jähriges Bestehen. Inzwischen gibt es Filialen unter anderem an der V&A Waterfront, in Camps Bay, Stellenbosch und bis hinauf nach Johannesburg. Aus einer kleinen Eisdiele am Old Harbour wurde also eine ziemlich süsse südafrikanische Erfolgsgeschichte.
Produziert wird nach traditionellen italienischen Rezepturen, neben klassischem Gelato gibt es auch Sorbets sowie vegane und zuckerreduzierte Varianten. Mein persönlicher Favorit war allerdings alles andere als zurückhaltend: Dubai-Eis. Schokolade, Pistazie und knuspriges Kadayif, jene Kombination, die spätestens mit dem weltweiten Dubai-Schokoladen-Hype plötzlich überall auftauchte.