Wir kommen am späten Nachmittag in Paradyskloof an, zu einer Stunde, in der das Licht schon etwas weicher wird. Für einen Moment passiert eigentlich gar nichts: kein Verkehr, kein touristisches Stellenbosch, keine Hektik. Nur ein stilles Wohnviertel, viel Grün und das Gefühl, gerade ein ganzes Stück aus allem herausgefahren zu sein. Dann schwingt das weisse Tor zum Majeka House auf und gibt den Blick auf das Anwesen dahinter frei. Wir fahren hinein – und noch bevor der letzte Koffer aus dem Auto ist, sitzen wir schon mit den Inhabern zusammen, irgendwo zwischen Eingangstür und Empfang, in ein Gespräch vertieft, das so gar nicht geplant war.
Vielleicht ist es genau dieser erste Moment, der uns im Gedächtnis bleibt: Majeka fühlt sich von Anfang an weniger nach Hotel an und erstaunlich schnell nach Zuhause. Nicht das inszenierte «Home away from home», das in Hotelbroschüren so gerne bemüht wird, sondern tatsächlich so. Man kommt herein, wird herzlich begrüsst, bleibt irgendwo hängen, fängt an zu erzählen – und vergisst darüber fast, dass man eigentlich noch einchecken wollte.
Schon der Name erzählt ein Stück Familiengeschichte. Majeka setzt sich aus MA für Marie-Paule, JE für Jean-Claude und KA für Karine zusammen, den Mitgliedern der französischen Familie Dequeker, die dem Haus einst seinen Namen und seinen eigenen Charakter gab. Seit 2025 schreiben Friedrich und Lorraine Schaefer dieses Kapitel weiter: Die beiden deutschen Hoteliers haben Majeka in ihre Living Journey Collection aufgenommen und prägen das Haus inzwischen mit ihrer eigenen Handschrift.
23 individuell gestaltete Zimmer und Suiten, ein Spa, Gärten und einen Outdoor und ganz neu einen Indoor-Pool: Gross genug, um immer wieder eine neue Ecke zu entdecken, und überschaubar genug, dass man sich schon nach kurzer Zeit nicht mehr wie einer von vielen Gästen vorkommt.
Auch die Lage passt dazu. Statt mitten im touristischen Zentrum von Stellenbosch liegt Majeka in einer ruhigen, sicheren Wohngegend, mit den Winelands praktisch vor der Haustür. Fast wie eine private Adresse, die man am liebsten für sich behalten würde. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt Vriesenhof, eines dieser Weingüter, bei denen aus einem geplanten Lunch mit Wine Tasting schnell ein ganzer Nachmittag wird. Auch der Dylan Lewis Sculpture Garden ist gleich ums Eck, und an Golfplätzen mangelt es ebenfalls nicht. Es ist also alles da, weswegen wir nach Stellenbosch kommen: Golf, Wein, gutes Essen und dieses herrlich entspannte Winelands-Gefühl.
Was uns von diesen zwei Tagen am Ende bleibt, sind vor allem die Menschen. Es dauert nicht lange, bis wir Namen kennen, miteinander lachen und aus einem kurzen Gespräch zehn Minuten werden. Niemand wirkt einstudiert freundlich, niemand vermittelt das Gefühl, gerade nur seinen Job zu machen. Koch Avi gehört genauso dazu wie Patricia im Spa.
Patricia weiss ziemlich genau, was sie tut. Nach den vergangenen Reisetagen kommt ihre Massage zur richtigen Zeit: wohltuend, konzentriert, mit einem feinen Gespür dafür, wo gerade etwas mehr Aufmerksamkeit gebraucht wird. Irgendwann hört man auf, an die Uhrzeit zu denken, und bleibt einfach liegen.
Solche Momente machen für uns echte Gastlichkeit aus – nicht das perfekt platzierte Willkommensgetränk oder die einstudierte Frage, ob alles zur Zufriedenheit ist, sondern Menschen, die einem das Gefühl geben, wirklich willkommen zu sein. Vor allem aber braucht es ein Haus und ein Team, das die Tür nicht nur öffnet, sondern einen auch hineinlässt.
Die Garden View Deluxe im Majeka House
Unser Garden View Deluxe gehört zu jenen Zimmern, bei denen man nach dem Öffnen der Tür erst einmal schaut – und dann noch einmal. Besonders die offene Verbindung zwischen Bad und Schlafzimmer hat es uns angetan: Von der Badewanne geht der Blick direkt hinüber zum Bett und vom Bett wieder zurück. Man badet hier gewissermassen mitten im Zimmer, ohne tatsächlich mitten im Zimmer zu baden, auch wenn die Wasserknappheit eher zur Dusche rät. Selbst den Fernseher kann man vom Bad aus sehen: nicht unbedingt lebensnotwendig, aber praktisch, wenn einer von uns mal wieder länger braucht.
In der Dusche steht ausserdem ein Wassereimer mit einer kleinen Karte: Das Vorlauf-Duschwasser, bis es angenehm warm ist, soll darin aufgefangen werden, damit die Living Journey Collection es weiterverwendet. Was zunächst nach einer Kleinigkeit aussieht, erinnert daran, wie sehr die vergangenen Dürrejahre das Bewusstsein für Wasser am Westkap geprägt haben – kein grosses Nachhaltigkeitsstatement an der Wand, sondern eine Idee, die sich ganz selbstverständlich in den Alltag einfügt.
Draussen fühlt sich der Garten wie ein wunderbar eingewachsener Privatgarten an, in dem wir uns ein ruhiges Plätzchen suchen und die Zeit ein bisschen vergessen. Sonnenlicht fällt durch die Bäume und zeichnet bewegte Schatten auf die weissen Mauern, zwischen Rosen, Geranien und sattem Grün blitzt immer wieder das Türkis der kleinen Pools hervor.
Wir nehmen einen Kaffee mit nach draussen, setzen uns in die Sonne und bleiben sitzen – vielleicht noch kurz die Füsse ins Wasser, vielleicht auch gar nichts. Genau das geniessen wir hier: Man muss nicht ständig das Gefühl haben, etwas erleben zu müssen. Manchmal reicht es, einfach da zu sein.
Interior Design mit Ecken, Kanten, Kunst und Genuss
Auch kulinarisch gehört das Majeka House für uns zu jenen Orten, an denen man gerne länger sitzen bleibt als geplant. Den passenden Rahmen liefert das Interior gleich mit. In der tiefblauen Bar leuchten die Spirituosen-Nischen wie kleine Vitrinen – ein gemütlicher Platz, um den Abend langsam ausklingen zu lassen. Die Drinks werden mit Liebe zum Detail gemixt und schmecken so gut, wie sie aussehen – wobei man mit einer guten Auswahl an Cap Classique (dem Champagner Südafrikas) bei uns ohnehin wenig falsch macht.
Über dem grossen Gemeinschaftstisch schweben goldene Pendelleuchten, mittendrin steht ein grünes Keramikpferd, das unseren Blick erstaunlich oft auf sich zieht. Am Morgen wird hier das Frühstücksbuffet aufgebaut, dazu kann nach Lust und Laune à la carte bestellt werden. Wir müssen nicht lange überlegen: Eggs Benedict für den Herrn, Beeren-Chia-Müesli für die Dame – herzhaft und süss, die Rollen sind bei uns kulinarisch ziemlich klar verteilt.
Spannend wird es auch abseits von Teller und Tisch. Während unseres Aufenthalts ist Callan Austin im Haus, Co-Owner und Executive Chef des mit zwei Eat-Out-Sternen ausgezeichneten Stellenboscher Restaurants DUSK. Gemeinsam mit der Living Journey Collection ist er seit 2026 dran, das neue Restaurant Plenitude im Majeka House zu lancieren. An diesem Tag steht er selbst in der Küche und schult das Team. Philipp schaut neugierig hinein – und ehe er sich versieht, steht er mittendrin und bekommt seinen ganz persönlichen Blick hinter die Kulissen. Wie sich Plenitude weiterentwickelt und was am Ende daraus wird? Wir bleiben dran und halten euch natürlich auf dem Laufenden.
Noch bevor die neue Karte offiziell Fahrt aufnimmt, dürfen wir bereits einige der neuen Gerichte probieren. Für Chefkoch Avi ist der Abend eine kleine Premiere: Zum ersten Mal bringt er die Kreationen ohne seinen Mentor Callan für Gäste auf den Teller. Ein bisschen Nervosität gehört dazu, und die gesteht er uns auch ganz offen.
Auf dem goldenen Tisch landen ein fein angerichtetes Fischgericht mit Reis und grüner Sauce sowie ein Steak, innen zart rosa, begleitet von knusprigen Kartoffeln und verschiedenen Saucen. Als Avi später noch einmal bei uns vorbeischaut, weicht die Anspannung einem breiten Lächeln. Unser Lob kommt von Herzen.
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Living Journey Collection: Die Menschen hinter dem Majeka House
Die Geschichte von Friedrich und Lorraine Schaefer beginnt lange vor dem Majeka House und ziemlich weit entfernt von Stellenbosch. Ende der 1980er-Jahre arbeiten beide in New York: Friedrich im legendären The Westbury, Lorraine im Plaza Athénée – zwei Häuser, in denen Gastlichkeit auf hohem Niveau zum Alltag gehört. Vieles von dem, was sie dort und in ihren weiteren Stationen lernen, nehmen sie später mit nach Südafrika und machen daraus ihre eigene Vorstellung davon, wie sich ein Hotel anfühlen sollte.
2015 beginnt daraus die Living Journey Collection zu wachsen. Den Anfang macht das Zest Boutique Hotel in Kapstadts Green Point, später kommen das Tree House Boutique Hotel in Kapstadt, One Marine Drive in Hermanus, Chapter House und Plumwood in Franschhoek, das Robertson Small Hotel sowie River Manor in Stellenbosch hinzu. Im September 2025 wird Majeka House als bislang grösstes und jüngstes Mitglied Teil der Familie.
Dabei geht es Friedrich und Lorraine weniger darum, einfach schöne Häuser zu führen. «Wir wollen, dass sich jeder Gast bei uns verwöhnt und gut aufgehoben fühlt – dass er etwas Besonderes mit uns geteilt hat und mit Erinnerungen nach Hause fährt, die er gerne weitererzählt», beschreibt Friedrich seine Philosophie. Lorraine ergänzt einen anderen Gedanken: «Wir glauben, dass jeder Aufenthalt, jedes Erlebnis und jede Begegnung Teil einer Reise ist. Wir möchten, dass unsere Gäste Teil unserer Geschichte werden – so wie wir gerne Teil ihrer werden.»
Klingt schön. Noch schöner ist es, wenn solche Sätze nicht nur auf dem Papier funktionieren. Genau dieses Gefühl hatten wir bereits bei unserer Ankunft im Majeka House, zu einem Zeitpunkt, als wir noch gar nicht wussten, dass die beiden Menschen, mit denen wir da so selbstverständlich zusammenstanden und plauderten, Friedrich und Lorraine waren. Vielleicht sagt genau das mehr über ihre Art von Gastlichkeit aus als jede Hotelphilosophie.
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