Schwül ist es, und der Nieselregen hat offenbar beschlossen, uns die ganze Runde Gesellschaft zu leisten. Als wir am Hermanus Golf Club einchecken, hängt über dem Platz eine Nebelglocke, so dicht und tief, dass schon die Baumkronen hinter dem ersten Grün langsam im Nichts verschwinden. Von den Bergen keine Spur, vom Meer erst recht nicht. Dabei sollen beide nur ein paar Fairways entfernt liegen. Wir müssen es an diesem Vormittag einfach glauben.
Neun Löcher werden es für uns, mehr gibt der Tag nicht her. Auf dem restlichen Platz läuft ein Turnier und, ganz unter uns, sind wir darüber gar nicht so unglücklich. Bei dieser Sicht hätten sich 18 Löcher irgendwann vermutlich eher nach Blindflug als nach Golfrunde angefühlt.
Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, überrascht uns der Platz. Denn wenn du einem Golfplatz Meer, Berge und Sonne wegnimmst und er immer noch funktioniert, spricht das ziemlich für ihn. Hermanus ist kein Platz, der allein von seiner Aussicht lebt. Vor uns liegt ein wunderbar gepflegter Parkland-Course, auf dem schon unsere neun Löcher zeigen, wie abwechslungsreich Golf hier sein kann. Nebel hin oder her.
Hermanus Golf Club: 27 Löcher und Golftradition seit 1907
Golf wird in Hermanus bereits seit 1907 gespielt. Der Hermanus Golf Club gehört damit zu den traditionsreichen Clubs der Kapregion. In den 1950er-Jahren modernisierte Robert Grimsdell den ursprünglichen Platz, sein heutiges Format erhielt er allerdings erst 2007 zum 100-jährigen Bestehen des Clubs. Golfplatzarchitekt Peter Matkovich von Matkovich & Hayes ergänzte neun neue Löcher und überarbeitete gleichzeitig sechs Bahnen des ursprünglichen East Course.
Heute warten 27 Löcher, die zu drei unterschiedlichen 18-Loch-Runden kombiniert werden: East mit den Löchern 1 bis 18, North aus 19 bis 27 und 1 bis 9 sowie South aus 10 bis 18 und 19 bis 27.
Das gefällt uns. Denn so entscheidet in Hermanus nicht nur dein Handicap darüber, wie sich der Golftag entwickelt, sondern auch die Kombination, die gerade gespielt wird. Und das alles nur wenige Autominuten vom Old Harbour und dem Zentrum von Hermanus entfernt.
Golf zwischen Fynbos und Fairways
Wer bei Golf in Hermanus automatisch an Klippen, Wind und spektakulären Meerblick denkt, liegt zumindest beim Hermanus Golf Club daneben. Hier spielst du keinen klassischen Links Course, sondern einen Fynbos-Parkland-Course. Alte Bäume, dichte Fynbos-Vegetation und Proteas säumen die Bahnen, dazwischen liegen modellierte Fairways, Bunker, Wasserhindernisse und Grüns, die selbst im Nieselregen erstaunlich schnell unterwegs sind.
Schon auf unseren neun Löchern fällt auf, dass kaum eine Bahn der anderen gleicht. Mal schiebt sich das Fairway zwischen alten Kiefern hindurch, mal wird es weiter und offener. Zumindest vermuten wir das, denn viel weiter als bis zum nächsten Baum lässt uns der Nebel an diesem Vormittag nicht schauen.
Was wir dagegen sehr gut sehen können, ist der Zustand des Platzes. Gepflegt ist hier wirklich jeder Quadratmeter. Der sandige Untergrund hilft offenbar zusätzlich, denn selbst nach reichlich Regen entwässert der Course erstaunlich gut. Nasse Schuhe ja, Schlammschlacht nein.
Von Golfern, die alle 27 Löcher kennen, hören wir besonders viel Gutes über die Bahnen 10 bis 13. Dazu gehört die 11, ein kurzes Par 5, eng von Bäumen eingerahmt und eher eine Frage der Präzision als der puren Länge. Auch die 13, ein Par 3 mit deutlichem Höhenunterschied und bei besserem Wetter Blick Richtung Meer, wird immer wieder hervorgehoben.
Über die später hinzugekommenen Löcher 19 bis 27 gehen die Meinungen dagegen etwas auseinander. Manche lieben sie, andere finden sie im Vergleich zum älteren Teil etwas braver. Wir können diesmal weder widersprechen noch zustimmen. Aber vielleicht ist das gar nicht schlecht. So haben wir wenigstens schon eine Ausrede für die nächste Runde in Hermanus.
Geschützte Feuchtgebiete mitten auf dem Hermanus Golf Course
Was wir dagegen aus erster Hand entdecken, sind die Feuchtgebiete des Golfclubs. An einem kleinen Teich, umgeben von hohen Kiefern, die im Nebel fast ein bisschen gespenstisch aussehen, bleiben wir vor einer Infotafel stehen.
Mehr als elf Hektaren geschützte Feuchtgebiete werden hier gepflegt. Das Wiederherstellungsprojekt begann bereits vor rund zwanzig Jahren und orientiert sich an den Prinzipien der Ramsar-Konvention. Zwischen Fairways und Grüns finden Klickfrösche, Otter, Mangusten und zahlreiche Vogelarten ihren Lebensraum. Auch besondere Fynbos-Pflanzen wachsen hier, darunter Erica villosa, die in der Region lange als verschwunden galt und später wiederentdeckt wurde.
Plötzlich bekommt das Rough eine ganz andere Bedeutung. Hier geht es nicht nur darum, den Golfball möglichst schnell wiederzufinden.
Wobei wir bei manchen Bällen ohnehin grosszügig werden.
Denn gleich neben der Information über das Feuchtgebiet wartet ein zweites Schild. Darauf steht, erfreulich unmissverständlich: «Beware of Snakes.» Foto inklusive.
Sagen wir es so: Wir haben kurz gerechnet, was ein neuer Golfball kostet, und beschlossen, dass dieser hier ab sofort zum Ökosystem gehört.
Perlhühner, Antilopen und tierische Flightpartner
Golf in Hermanus bedeutet auch, dass du auf dem Fairway selten wirklich allein bist. Zwischen zwei Schlägen spazieren uns ganz selbstverständlich ein paar Helmperlhühner über die Bahn, offenbar fest davon überzeugt, dass der Golfplatz eigentlich ihnen gehört. Akustisch begleitet uns fast die gesamte Runde das Kreischen, Rufen und Zwitschern der Vogelwelt. Stille Natur ist hier eher relativ.
Und damit soll die tierische Gesellschaft längst nicht vollständig sein. Auch Paviane und verschiedene Antilopen sind auf und rund um den Golfplatz anzutreffen. Wer hier eigentlich Gast und wer Hausherr ist, bleibt also Auslegungssache.
Warum sich Golf im Hermanus Golf Club lohnt
Wenn du ohnehin am Western Cape unterwegs bist, gehört eine Runde im Hermanus Golf Club für uns definitiv ins Reiseprogramm. Nicht, weil hier der spektakulärste Golfplatz Südafrikas wartet oder jede Bahn mit Meerblick um Aufmerksamkeit kämpft. Sondern weil der Platz wunderbar zu Hermanus passt. Er ist entspannt, naturverbunden, abwechslungsreich und nur wenige Minuten vom Zentrum entfernt.
Du kannst morgens Golf spielen, mittags am Cliff Path aufs Meer schauen und am Nachmittag im Hemel-en-Aarde Valley einen Chardonnay oder Pinot Noir probieren. In der Walsaison kommen mit etwas Glück noch Southern Right Whales dazu. Golf, Wein, Meer und Wildlife liegen hier erstaunlich nah beieinander. Viel mehr Western Cape bekommst du an einem Tag kaum unter.
Und auch sportlich ist Hermanus alles andere als eine Lückenfüllerrunde. 27 Löcher sorgen für Abwechslung, der Pflegezustand hat uns überzeugt und die Mischung aus Fynbos, altem Baumbestand, Wasser und Tierwelt gibt dem Platz einen eigenen Charakter. Unser einziger Fehler? Wir hatten nur Zeit für neun Löcher. Beim nächsten Mal bestellen wir 18 und etwas weniger Nebel dazu.