Der Luštica Bay Golf Club baut nicht einfach Montenegros ersten 18-Loch-Golfplatz. Hoch über der Adria entsteht ein Gary Player Signature Course, der an der gesamten Adriaküste neue Massstäbe setzen soll. Und wer hier einen gemütlichen Feriencourse mit hübscher Aussicht erwartet, liegt schon am ersten Abschlag daneben.
Wir stehen auf dem Abschlag von Loch 1. Unter uns liegt die Bucht von Luštica in jenem satten Blau, das man sonst nur aus dem Prospekt kennt. Drei Löcher sind heute fertig und bespielbar, sechs weitere befinden sich im Grow-in, der empfindlichen Anwuchsphase nach der Aussaat. Der Rest ist Baustelle, meist sogar geheim – zumindest für Fotos.
Bis 2028, spätestens im Frühling 2029, soll hier Montenegros erster 18-Loch-Golfplatz komplett bespielbar sein: ein Gary Player Signature Course mit Ambitionen auf internationales Turniergolf, eingebettet in die wilde Landschaft der Luštica-Halbinsel. Golf Manager Boško Kaluđerović und Kristina Škanata, PR & Communication Managerin von Luštica Bay, nehmen uns mit dorthin, wo normale Besucher derzeit noch nicht hinkommen. Ab Loch 4 gilt für uns: anschauen ja, fotografieren nein. Schade eigentlich. Denn was wir dort sehen, würden wir euch gerne bereits zeigen.
Warum der Golfplatz: Luštica Bay Golf Club an Aufmerksamkeit verlangt
Schon die drei bestehenden Bahnen verlangen Entscheidungen. Länge hilft, Präzision noch mehr. Dazu kommen Höhenunterschiede und ein Wind, der auf dieser exponierten Halbinsel alles andere als eine Nebenrolle spielt. Boško bringt es einfach auf den Punkt: Dieser Platz verlangt Aufmerksamkeit.
Wo soll der nächste Schlag liegen? Welcher Schläger ist der richtige? Was macht der Wind? Und wo darf der Ball auf keinen Fall landen? Genau diese Fragen sollen sich Golfer hier stellen. So hat Gary Player den Platz konzipiert.
Gary Player und die Handschrift von Orascom
Die Entscheidung für Gary Player fiel auf Eigentümerseite. Luštica Bay gehört zur Orascom Development Gruppe, die weltweit Destinationen entwickelt und mit Golf längst vertraut ist. Als Golfer dürfte dir etwa El Gouna in Ägypten oder Andermatt ein Begriff sein. Vielleicht hast du dort sogar selbst schon einmal abgeschlagen. Diese Erfahrung fliesst nun auch in die Entwicklung des Luštica Bay Golf Club ein.
Von den hinteren Tees soll der komplette Platz 6519 Meter bei Par 72 messen. «Das ist kein easy Holiday Course, auf dem man einfach nur nett spielt», sagt Boško. Und offenbar weckt er schon mit drei Löchern den Ehrgeiz: Rund 95 Prozent der Gäste, die bislang die ersten drei Bahnen gespielt haben, wollen laut Boško gleich noch einmal auf die Runde. Mit Wind, Pinposition und Tagesform spielt sich der Platz jedes Mal ein wenig anders.
Ein Golfplatz, der die Landschaft nicht zähmt
Was wir auf unserer Tour sehen, erklärt auch, warum. Der Platz versucht nicht, die Landschaft zu glätten. Er benutzt sie. Felsen bleiben Felsen. Die natürliche Macchia-Vegetation steht zwischen den Spielbahnen weitgehend dort, wo sie schon immer stand. Höhenunterschiede werden Teil der Architektur, Bunker verändern die Spiellinien und von praktisch überall mischt sich die Adria ins Bild.
Das Landschaftskonzept geht laut Boško bereits auf die ursprüngliche Masterplanung des Projekts vor rund 15 bis 20 Jahren zurück. Vorgesehen sind vor allem heimische Pflanzen der Adriaküste, Palmen und andere vermeintlich mediterrane Klassiker werden bewusst vermieden, weil sie hier ursprünglich gar nicht heimisch sind. Wo immer möglich, bleibt die vorhandene Vegetation erhalten. Muss sie während der Bauarbeiten weichen, wird sie versetzt oder später wieder angesiedelt. Auch beim Bau selbst orientiert sich das Projekt an EU-Umweltstandards.
Welches Gras der Adriaküste standhält
Auch beim Rasen wurde nichts dem Zufall überlassen. Mehrere Grassorten wurden getestet. Bermudagras schied unter anderem aus, weil es sich im Winter braun verfärbt. Auf den ersten drei bereits spielbaren Löchern kommt derzeit Bentgras zum Einsatz. Für die neuen Fairways fiel die Wahl nach den Tests auf Kentucky Bluegrass, das mit den Bedingungen vor Ort besser zurechtkommen soll.
Gerade während des Grow-ins ist die Bewässerung eine der grossen Herausforderungen. Luštica Bay nutzt unter anderem aufbereitetes Wasser aus der eigenen Anlage, Menge und Qualität sind jedoch nicht immer konstant. Zusätzliche Leitungen und Verbesserungen am bestehenden System sollen die Wasserversorgung für die nächsten Ausbauphasen stabilisieren.
Wie genau das Team dabei hinschaut, merken wir, als Boško erzählt, was er momentan regelmässig macht. Er und sein Team gehen mit einem Messer auf den Platz, schneiden kleine Bereiche des Bodens auf und kontrollieren das Wurzelsystem. Wie tief reichen die Wurzeln bereits? Wie entwickelt sich das Gras? Die Ergebnisse fotografiert er und
Wenn Wind und Bunker das Loch entscheiden
Loch 6, ein Par 3, ist gut 200 Meter lang. Direkt vor dem Grün wartet ein Pot-Bunker, dazu kommt eine Pinposition, die je nach Wind und Position auf dem ondulierten Grün den Charakter des Lochs komplett verändern kann.
An einer der noch nicht freigegebenen Bahnen bleibt unser Buggy stehen. Vor uns liegen Meer, Fairway, Bunker und ziemlich viel Luft. Boško zeigt uns die geplante Spiellinie. Wer seinen Ball an die richtige Stelle bringt, verschafft sich einen Vorteil für den nächsten Schlag. Wer den falschen Winkel erwischt, bekommt plötzlich ein völlig anderes Loch serviert.
«Der Wind wird dir hier helfen, und dich hier genauso vernichten.»
Mehr müssen wir über diesen Abschlag eigentlich nicht wissen.
Championship-Ambitionen auf dem Luštica Bay Golfplatz: Ist ein PGA-Turnier denkbar?
Natürlich fragen wir nach. Wenn man einen Gary Player Signature Course mit Championship-Anspruch baut, denkt man dann bereits über internationale Turniere nach? Boško muss nicht lange überlegen. Luštica Bay sei grundsätzlich offen für internationale Championships und professionelle Turnierformate. Welche Veranstaltungen irgendwann tatsächlich hier stattfinden werden, steht noch nicht fest, aber die Voraussetzungen dafür sollen geschaffen werden. Denn ein internationales Turnier braucht mehr als 18 gute Löcher.
Golfen im Winter, während auf den Bergen Schnee liegt
Einer unserer Lieblingsmomente des Gesprächs kommt, als wir über den Winter sprechen. Montenegro verbinden die meisten Gäste mit Sommer, Meer und Temperaturen jenseits der 30 Grad. Boško sieht ausgerechnet in der kühleren Jahreszeit grosses Potenzial für den Golfplatz. Auf den umliegenden Bergen kann Schnee liegen, während unten weitergespielt wird. Frost ist auf dem Course kein Thema.
Vielleicht zeigt das Thermometer nur 15 Grad. Für eine sonnige Golfrunde mit Blick aufs Meer reicht das allemal. Und damit entsteht ein Bild, das sich jeder Golfer einrahmen möchte: grünes Fairway, blaue Adria und dahinter schneebedeckte Berge. Boško findet diese Winterkulisse sogar ikonischer als manche Sommeraufnahme. Wir widersprechen nicht. Vor allem nicht nach dieser Aussicht.
Tipp: Im Hochsommer lieber mit Buggy
Spätestens nach unserer Tour ist allerdings auch klar: Diesen Platz im Hochsommer komplett zu Fuss zu spielen, ist fast unmöglich. Die Wege sollen zwar möglichst kurz gehalten werden, doch die Topografie bleibt anspruchsvoll und im Juli oder August kommt die Hitze dazu.
Buggys werden deshalb eine wichtige Rolle spielen. Für die Club Cars ist ein GPS-System vorgesehen, das Entfernungen anzeigt und gleichzeitig steuert, welche Bereiche befahren werden dürfen. Das schützt Platz und Spieler gleichermassen. In der kühleren Jahreszeit sieht es anders aus, dann sollen auch Runden zu Fuss mit Elektrotrolley möglich sein.
Zeitplan: Wann der Luštica Bay Golf Club fertig ist
Aktuell sind die Löcher 1 bis 3 sowie die Driving Range geöffnet, sechs weitere Bahnen befinden sich im Grow-in. Wir dürfen sie während unserer Tour besichtigen, fotografieren und dann heisst es: bitte noch nicht veröffentlichen.
Auch beim Routing ist noch Bewegung drin. Die ersten neun spielbaren Löcher werden nicht zwingend den späteren Bahnen 1 bis 9 entsprechen. Der Grund ist weniger spektakulär als die Aussicht: Infrastruktur. Einige der im Masterplan vorgesehenen Bahnen liegen derzeit noch zu weit von den bestehenden Einrichtungen entfernt. Deshalb werden zunächst jene Löcher kombiniert, die sich in der aktuellen Bauphase sinnvoll betreiben lassen. Sobald der gesamte Platz fertiggestellt ist, folgt das endgültige Routing.
Der nächste grosse Schritt ist für Frühling 2027 geplant, dann sollen neun Löcher spielbar sein. Auf einen exakten Eröffnungstermin möchte sich Boško noch nicht festlegen, denn beim Grow-in hält sich das Gras nur bedingt an den Baukalender. Der komplette 18-Loch-Platz soll nach heutiger Planung zwischen September 2028 und Mai 2029 folgen.
Drei Löcher haben wir gespielt. Für die restlichen 15 kommen wir wieder.
Das Clubhouse vom Luštica Bay Golf Club und die Infrastruktur dahinter
Auch das heutige Clubhouse ist nur eine Zwischenlösung. Mit mehr Löchern, Mitgliedern und Gästen wird die bestehende Infrastruktur irgendwann zu klein. Der Standort für das künftige Clubhouse mit Eventbereich steht bereits fest, die Eröffnung ist nach aktueller Planung für Mai 2029 vorgesehen. Geplant sind Flächen für Events und Konferenzen sowie erweiterte Trainingsmöglichkeiten mit Putting Area, Indoor- und Outdoor-Training und TrackMan. Auch das Fittingangebot soll professioneller werden.
Im Hintergrund wächst die Infrastruktur ebenfalls mit. Werkstatt, Wartungsbereiche, Pumpstation und Bewässerung sind zwar weniger fotogen als ein Fairway mit Meerblick, aber mindestens genauso wichtig. Wer irgendwann internationale Turniere ausrichten möchte, braucht eben nicht nur einen Championship Course, sondern auch das Drumherum.
Semi-private mit Immobilienbezug: Wer hier künftig spielen darf
Beim Geschäftsmodell ist Luštica Bay noch in der Feinabstimmung. Klar ist bisher: Der Golf Club soll semi-private werden. Zugang erhalten sollen Immobilieneigentümer in Luštica Bay und deren Gäste, Mitglieder sowie Hotelgäste. Wie das spätere Membership-Modell im Detail aussieht, ist noch offen. Ein klassischer Privatclub wird es also nicht, ein völlig öffentlicher Platz aber ebenfalls nicht.
Interessant ist, dass die Nachfrage schon jetzt da ist. Boško erzählt uns, dass Besucher bereits nach Memberships fragen, obwohl aktuell erst drei Löcher geöffnet sind. Manche verbinden den Golfbesuch sogar direkt mit der Frage nach Immobilien in Luštica Bay. Damit erfüllt der Platz schon heute mehr als nur eine sportliche Funktion. Er wird zum Teil der Destination und zum Argument für das Leben hier.
Rund um den Course entsteht gleichzeitig The Peaks, das neue Wohnquartier von Luštica Bay, mit Apartments, Townhouses und Villen. Golf und Immobilien sind damit bewusst eng miteinander verbunden. Mehr als 50 Nationalitäten sind bereits unter den Käufern vertreten, viele nutzen ihre Immobilie als Zweitwohnsitz oder vermieten sie, wenn sie selbst nicht vor Ort sind. Der Golfplatz soll dabei helfen, die Saison über die klassischen Sommermonate hinaus zu verlängern. Wer wegen Golf kommt, braucht nämlich nicht zwingend 30 Grad und Hochsommer.
Luštica Bay Golf Club: Die wichtigsten Fakten
Golfplatz: Luštica Bay Golf Club. Design: Gary Player Signature Course. Bauherrin: Luštica Development d.o.o., lokale Projektgesellschaft der Orascom Development Gruppe. Course: 18 Loch, Par 72. Länge: 6519 Meter von den hinteren Tees. Aktuell spielbar: 3 Löcher und Driving Range. Im Grow-in: 6 weitere Löcher. Nächster Schritt: 9 spielbare Löcher ab Frühling 2027 geplant. 18-Loch-Fertigstellung: nach aktueller Planung zwischen September 2028 und Mai 2029. Neues Clubhouse: Eröffnung aktuell für Mai 2029 vorgesehen. Golfplatzfläche: rund 36 Hektar. Gesamtes Golfareal: rund 86 Hektar. Clubmodell: semi-private geplant. Immobilien: Apartments, Townhouses und Villen in The Peaks. Hotels: Unten in der Bucht liegt das The Chedi Lustica Bay, mitten in Lustica das Centrale Hotel, sieben weitere sind geplant. Besonderheit: Von jedem der 18 Löcher soll sich später der Blick entweder auf die Boka Bay oder hinaus über die Adria und Luštica Bay öffnen.
Noch ist vieles Baustelle. Doch wenn wir oben auf dem Golfplatz stehen und den Blick über Luštica Bay, die Boka Bay und hinaus auf die offene Adria schweifen lassen, braucht es nicht mehr allzu viel Fantasie, um zu erahnen, was hier entsteht. Schau dir einfach unsere ersten Bilder an. Wenn du danach keine Lust bekommst, selbst den Schläger einzupacken, wissen wir ehrlich gesagt auch nicht weiter.

