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Boka Bay in Montenegro: Bootstour zu Our Lady of the Rocks, Perast und Kotor

Wir sitzen im Bug, der Fahrtwind zieht uns förmlich die Sonnenbrille von der Nase, und vor uns liegt sie in ihrem schönsten Blau: die Boka Kotorska. Kalksteinberge stürzen fast senkrecht ins Wasser, dazwischen kleben kleine Städtchen wie hingetupft am Ufer. Ihre Häuser aus hellem Sandstein glühen in der Nachmittagssonne. Das Baumaterial stammt aus dem Fels der umliegenden Berge und verleiht der ganzen Bucht diesen warmen, beinahe einheitlichen Ton.

Wer wie wir gerade in Luštica Bay logiert, kennt die Versuchung, einfach liegen zu bleiben. Am Pool, am Strand oder auf der eigenen Terrasse mit Blick aufs Meer. Verständlich. Und trotzdem lohnt es sich, sich für einen Tag davon loszureissen. Die Boka Bay liegt praktisch vor der Haustür und bietet genau das, was ein Golf- und Beach-Urlaub zwischendurch gut verträgt: Geschichte, Kultur und ein bisschen Trubel. Darum unser Tipp für alle, die ebenfalls in Luštica Bay Ferien machen: Nehmt euch diesen einen Tag.

Die Boka Bay ist der ganze Stolz Montenegros – und spätestens in dem Moment, in dem wir mit dem Boot über das tiefblaue Wasser gleiten und die Berge links und rechts immer näher zusammenrücken, verstehen wir auch, warum. Die Landschaft ist so dramatisch schön, dass selbst der Begriff «Fjord» plötzlich ziemlich passend erscheint.

Genau so wird die Bucht von Kotor nämlich gerne genannt: als südlichster Fjord Europas. Geologen dürften an dieser Stelle allerdings kurz nervös werden. Denn streng genommen ist die Boka Bay gar kein Fjord, sondern eine Ria, also eine überflutete beziehungsweise versunkene Flusslandschaft. Gletscher waren hier nicht die Landschaftsarchitekten.

Wir lassen die Geologie deshalb Geologie sein und machen das, wofür diese Bucht wie geschaffen scheint: Wir entdecken sie vom Wasser aus. Drei Stopps stehen für unseren Nachmittag auf dem Programm. Zuerst geht es zur winzigen Insel Our Lady of the Rocks, danach nach Perast und zum Schluss nach Kotor, wo wir uns ohne grossen Plan durch die Gassen der UNESCO-Altstadt treiben lassen wollen.

Blick auf Küstenstadt in Montenegro.

Our Lady of the Rocks in der Boka Bay

Was diese Insel besonders macht: Es gibt sie nur, weil Menschen sie wollten. Our Lady of the Rocks, auf Montenegrinisch Gospa od Škrpjela, wurde künstlich geschaffen, über Generationen hinweg und mit erstaunlicher Beharrlichkeit.

Der Überlieferung nach beginnt alles mit einem einzigen Felsen im Meer. Am 22. Juli 1452 sollen Seeleute aus Perast darauf eine Marienikone entdeckt und versprochen haben, genau hier eine Kirche zu errichten. Kleines Problem: Es gab noch gar keine Insel.

Also half man nach. Nach ihrer glücklichen Rückkehr von See warfen die Bokelen über Generationen hinweg Steine ins Wasser. Später versenkte man sogar ausgediente, mit Gestein beladene Schiffe, um dem Meer immer mehr festen Boden abzuringen. So wuchs rund um den ursprünglichen Felsen langsam ein Eiland. Nicht von der Natur geschaffen, sondern von Menschen gebaut. Aus Dankbarkeit, Glauben und vermutlich einer ziemlich beeindruckenden Portion Beharrlichkeit.

Die Tradition lebt bis heute weiter. Jedes Jahr am Abend des 22. Juli findet die Fašinada statt. Dann fahren die Einwohnerinnen und Einwohner von Perast mit ihren Booten hinaus und werfen erneut Steine ins Wasser. Ein Ritual, das die Insel bis heute wachsen lässt, ganz so, wie es ihre Vorfahren vor fast 600 Jahren begonnen haben.

Unser Guide Niklas erzählt uns die Geschichte, während wir durch die kleine Kirche gehen, und seine Begeisterung ist ansteckend. Er spricht makelloses Englisch, kennt gefühlt jedes Detail seiner Heimat und erzählt mit einem Stolz, der nicht aufgesetzt wirkt, sondern einfach echt ist. Von ihm erfahren wir auch, dass im Inneren der Kirche 68 Gemälde des Barockmalers Tripo Kokolja hängen. Der gebürtige Peraster galt im 17. Jahrhundert als einer der bedeutendsten Maler der östlichen Adria. Sein grösstes Werk, «Der Tod der Jungfrau Maria», misst zehn Meter in der Länge und bedeckt die gesamte Decke über dem Altarraum.

Vor einem besonders feinen Stück bleibt Niklas stehen und erzählt uns eine Geschichte, die fast 600 Jahre später noch immer berührt. Es geht um den Votivteppich von Jacinta Kunić-Mijović. Der Überlieferung nach stickte die Frau aus Perast 25 Jahre lang daran, während sie auf die Rückkehr ihres Liebsten von See wartete. Goldfäden, Silberfäden und unzählige Stunden Geduld. Irgendwann, erzählt Niklas, soll sie sogar ihr eigenes Haar eingearbeitet haben. Am Ende habe sie so lange und so fein gestickt, dass sie erblindete.

Ob jedes Detail historisch belegt ist oder die Geschichte über Generationen ein wenig schöner, trauriger und romantischer geworden ist, lässt sich heute kaum sagen. Aber vielleicht muss man das auch gar nicht. Wie so oft bei solchen Überlieferungen lebt sie davon, dass Menschen sie weitererzählen, ihr Bedeutung geben und sie über Jahrhunderte lebendig halten.

Wer durch die Räume geht, entdeckt noch weitere Kuriositäten. Etwa einen mittelalterlichen Grabsteinspruch aus dem 15. Jahrhundert, der in aller Nüchternheit festhält, das Leben sei kurz, kalt und oft bewölkt. Wer das Schiff seines Lebens jedoch gut steuere, komme trotzdem sicher ans Ziel. Passender könnte Lebensweisheit an einem Ort voller Seefahrergeschichten kaum sein.

Kirche auf Insel im Boka-Kotor-Bucht
Gospa od Škrpjela vor der Kulisse der Boka-Berge.

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Hinweis auf das Leben und Werte
Der Grabstein-Spruch aus dem 15. Jahrhundert, gestiftet 1982 von Vladimir-Belo Ćetković aus Dobrota.

Perast, das Barockstädtchen in der Boka Bay von Kotor

Perast gehört zur UNESCO-geschützten Natur- und Kulturhistorischen Region von Kotor. Die gesamte Schutzzone umfasst rund 14’600 Hektar und wurde bereits 1979 in die Welterbeliste aufgenommen. Lange bevor «Weltkulturerbe» zum Marketingbegriff wurde.

Ehrlich gesagt: Fotografisch wird das hier schwierig. Perast ist mittlerweile ein regelrechter Highway für Tagestouristen. Ein Restaurant reiht sich an das nächste, die Ausflugsboote legen im Minutentakt an und auf der schmalen Uferpromenade schiebt man sich eher vorwärts, als dass man entspannt spaziert. Dazwischen Souvenirläden, die gefühlt alle dasselbe verkaufen. Für uns ist das kein Ort, an dem wir die eigentliche Atmosphäre des Städtchens wirklich spüren können.

Und doch: Wer genauer hinschaut, entdeckt noch immer Spuren dessen, was Perast einst gross gemacht hat. Vor der Kirche steht ein schöner Steinpalazzo, und eine Infotafel, auf die uns Niklas aufmerksam macht, erinnert an drei Perastiner, die weit über ihre Heimat hinaus Geschichte schrieben: Admiral Matija Zmajević, der später am Aufbau der russischen Ostseeflotte beteiligt war, Seefahrtslehrer Marko Martinović, der auf Wunsch von Zar Peter dem Grossen junge russische Adlige in Navigation unterrichtete, und eben jener Tripo Kokolja, dessen Werke wir bereits auf der Insel bewundert haben.

Für ein Glas lokalen Malvasia am Wasser lohnt es sich trotzdem, noch kurz zu bleiben. Am besten ganz hinten an der Uferpromenade, dort, wo das Gedränge langsam nachlässt, die Stimmen leiser werden und der Blick auf die Bucht wieder frei wird. Ein kühles Glas, ein bisschen Meerluft und noch einmal kurz sitzen bleiben, bevor es weitergeht. Für uns genau der richtige Abschluss in Perast.

Blick auf das Wasser und Berge
Die Autofähre zwischen Kamenari und Lepetane quert die schmalste Stelle der Bucht.

Kotor in Montenegro: Unser Tipp für einen Altstadt-Spaziergang

Weiter geht es diesmal mit dem Speedboot, und das meinen wir wörtlich. Der Bug hebt sich, die Gischt spritzt bis zu uns nach hinten, und die Küstenstrasse mit ihrer Fährverbindung zieht am gegenüberliegenden Ufer wie ein weisser Strich vorbei. Kurz vor der Einfahrt in die innere Bucht passieren wir einen weissen Leuchtturm, der wie ein Ausrufezeichen aus dem Wasser ragt, während die Berge auf beiden Seiten immer näher zusammenrücken.

In Kotor wartet bereits die MS Europa 2 vor der Altstadt und wirkt dabei fast ein wenig zu gross für diese Kulisse. Wir sehen das Schiff schon vom Wasser aus und wissen sofort: Heute wird es in den Gassen kuschelig.

Denn Kotor lebt vom Tourismus. Kreuzfahrtschiffe bringen Tag für Tag neue Besucher in die Bucht, während sich hinter den alten Stadtmauern Restaurants, Cafés, kleine Boutiquen und Souvenirläden dicht aneinanderreihen. Das gehört inzwischen genauso zu Kotor wie die Kirchen, Plätze und jahrhundertealten Fassaden.

Und vielleicht ist genau das der Unterschied zu Perast: Kotor hat gelernt, mit seinen Gästen zu leben, ohne sich dabei völlig zu verlieren.

Die Stadt ist keine Kulisse, die irgendwann nachträglich zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde, sondern bereits seit 1979 fester Bestandteil der Welterbestätte «Natural and Culturo-Historical Region of Kotor». Im Mittelalter war der natürliche Hafen ein bedeutendes Handels- und Kunstzentrum mit eigenen Schulen für Steinmetzkunst und Ikonenmalerei. Ein Handwerk, das bis heute in den Fassaden und Kirchen der Altstadt sichtbar ist.

Das schwere Erdbeben von 1979 hinterliess jedoch deutliche Spuren. Zahlreiche Monumente und Teile der Stadtmauer wurden stark beschädigt. Die Restaurierung gelang auch dank internationaler Unterstützung, unter anderem durch die UNESCO. 2003 konnte Kotor deshalb wieder von der Liste des gefährdeten Welterbes gestrichen werden.

Und trotzdem wurde die Geschichte nicht einfach wegrestauriert. Wer heute durch die engen Gassen läuft, entdeckt noch immer Häuser, die sichtbar aus dem Lot geraten sind. Manche stehen nur leicht schief, andere wirken, als hätten sie sich mit den Jahrhunderten arrangiert.

Unser Tipp für dich: Nimm dir für Kotor vor allem eines: Zeit. Die Altstadt ist klein genug, um dich einfach treiben zu lassen, und genau darin liegt ihr Reiz. Bieg einmal links ab, obwohl du eigentlich rechts wolltest, schlendere durch einen schattigen Innenhof, bleib an einer steinernen Fassade hängen und setz dich irgendwann mit einem Eiskaffee auf eine Piazza. Während um dich herum das Leben weiterzieht, hast du Kotor wahrscheinlich genau richtig erlebt.

Alte grüne Holztür in der Altstadt von Kotor Montenegro
Türen mit Patina statt frisch renovierter Perfektion. Gerade diese Details geben Kotors Altstadt ihren Charakter.

Die Katzenstadt der Boka Bay

Und dann sind da natürlich die Katzen. Kotor trägt den Ruf als Katzenstadt Montenegros nicht ohne Grund. Überall liegen sie auf warmen Steinstufen, streifen durch schmale Gassen oder haben längst beschlossen, dass ein Café-Stuhl eigentlich ihnen gehört. Der Überlieferung nach brachten venezianische Handelsschiffe die Tiere einst als Schutz vor Ratten mit in die Stadt. Heute geniessen sie beinahe Kultstatus, mit Fütterungsplätzen, Katzenmuseum und Souvenirs in sämtlichen Varianten. Spätestens beim dritten Magneten, dem fünften T-Shirt und der nächsten Katze, die dekorativ vor einer knorrigen Holztür döst, wird klar: Kotor hat sein Maskottchen gefunden.

Unser Tipp ist deshalb simpel: nicht zu viel planen. Kotor funktioniert am besten zu Fuss, mit offenen Augen und genügend Zeit für eine Pause. Nur beim Shopping darfst du ruhig etwas genauer hinschauen. Zwischen Boutiquen und Souvenirläden haben sich inzwischen auch Händler mit Designer-Plagiaten niedergelassen. Wie uns Niklas erzählt, kommen gefühlt jedes Jahr weitere dazu. Ein durchaus eigenwilliger Kontrast zur jahrhundertealten UNESCO-Kulisse, aber eben auch ein Teil des heutigen Kotor.

Historische Steinhäuser in der Altstadt von Kotor Montenegro
Ein bisschen schief gehört hier zur Geschichte. Das schwere Erdbeben von 1979 hinterliess in Kotor deutliche Spuren, die man teilweise bis heute erkennt.

Boka Night Kotor: Das Sommerfest in der Bucht von Kotor

Was wir bei unserer Ausfahrt am Morgen noch nicht wussten: Unser Tag fällt ausgerechnet auf die Bokeljska noć, die berühmte Boka Night, und damit auf eines der grössten Sommerfeste der gesamten Bucht.

Schon am Nachmittag merken wir, dass Kotor heute anders tickt. Überall wird aufgebaut, geschleppt, verkabelt und dekoriert. Vor Bars und Restaurants entstehen kleine Bühnen, Lautsprecher werden getestet und Tische enger zusammengerückt. Die ganze Altstadt scheint sich langsam für den Abend herauszuputzen.

Wenn es dunkel wird, beginnt die eigentliche Bokeljska noć. Dann ziehen geschmückte und beleuchtete Boote vor der Kulisse der Altstadt über das Wasser, jedes für sich ein kleines schwimmendes Kunstwerk. Eine Jury kürt später das schönste von ihnen. An der Uferpromenade läuft längst Livemusik, und Plätze, Mauern und Kais sind zu diesem Zeitpunkt schon dicht gefüllt.

Organisiert wird das Ganze von den Bootsclubs und Crews der Region selbst. Viele tüfteln schon Wochen vorher an Dekorationen und Ideen, um ihr Boot für die Boka Night möglichst spektakulär in Szene zu setzen. Ein bisschen Ehrgeiz gehört offenbar dazu.

Der Eintritt ist frei, die Stimmung ausgelassen und gefühlt ist an diesem Abend halb Montenegro in Kotor. Spätestens wenn das Feuerwerk über der Bucht aufgeht und sich im dunklen Wasser spiegelt, versteht man, warum die Bokeljska noć für viele längst ein fester Termin im Kalender ist.

Unser Tipp für dich: Falls du genau an diesem Abend in Kotor bist, streich deine Pläne und bleib einfach da. Mehr Boka Bay auf einmal bekommst du vermutlich kaum.

Mehr rund um die Boka Bay und Luštica Bay entdecken

Wenn du nach Kotor und der Boka Bay noch nicht genug von Montenegro hast, lohnt sich der Blick ein Stück weiter Richtung Luštica. Dort warten Marina, Meer, Hotels, Restaurants und einer der spannendsten neuen Golfplätze an der Adria.

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