Am Eingang zur Bucht von Kotor liegt eine fast kreisrunde Festung aus dem 19. Jahrhundert, ein Ort, der Krieg, Verfall und schliesslich eine sechsjährige Restaurierung überstanden hat. Heute ist daraus Mamula Island by Banyan Tree geworden. Wir sind zur Besichtigung und zum Dinner im Restaurant Kamena eingeladen und lernen dabei Marija Vujovic kennen. Seit vier Jahren bringt sie Gästen Mamula Island persönlich näher. Mit so viel Wissen, Stolz und spürbarer Verbundenheit, dass aus einer Hotelführung ziemlich schnell eine kleine Zeitreise wird.
Das Boot legt in Herceg Novi ab. Hinter uns werden die Lichter der montenegrinischen Küste langsam kleiner, vor uns wächst eine mächtige Festung aus der Adria. Mamula Island liegt genau dort, wo das offene Meer auf die geschützte Bucht von Kotor, die Boka Bay, trifft. Steinmauern, schroffe Küste, Agaven und rundherum nichts als Wasser. Dass sich hier heute eines der ungewöhnlichsten Luxushotels Montenegros verbirgt, sieht man der Insel aus der Ferne kaum an.
Schon von Weitem fällt uns dieser eine Baum auf. Der einzige auf der Insel. Er ragt über die alten Mauern, fast ein wenig trotzig, als hätte er irgendwann beschlossen, einfach zu bleiben. Je näher wir kommen, desto stiller wird es an Bord.
Im goldenen Abendlicht könnte die Szenerie beinahe zu perfekt wirken. Tut sie aber nicht. Dafür ist die Geschichte zu präsent, die Architektur zu mächtig und die Lage zu dramatisch. Genau dieser Kontrast macht den ersten Moment so besonders: Du siehst zunächst eine wunderschöne Insel und spürst gleichzeitig, dass sich hinter dem Naturstein sehr viel mehr verbirgt.
Bevor im Kamena der Wein ins Glas und die ersten Teller auf den Tisch kommen, nimmt uns Marija mit durch Mamula. Sie kennt die Insel seit vier Jahren, ihre Winkel, ihre Geschichten und auch die leisen Details, an denen man sonst vermutlich vorbeigehen würde. Und sie erzählt davon mit so viel Wissen und spürbarer Verbundenheit, dass wir schon nach wenigen Minuten nicht mehr das Gefühl haben, durch ein Hotel geführt zu werden. Eher durch einen Ort, der ihr selbst ziemlich ans Herz gewachsen ist.
Und genau deshalb beginnen wir unseren Abend nicht im Restaurant, sondern 170 Jahre früher.
Mamula Island by Banyan Tree: Eine historische Festung vor Montenegro
32 Zimmer und Suiten, eine kleine Insel am Eingang der Boka Bay und rundherum nichts als Adria. Mamula Island ist das erste Banyan Tree in Europa und gleichzeitig eines der intimsten Häuser der Marke. Schon die Anreise macht klar, dass hier wenig gewöhnlich ist. Auf die Insel kommst du per Boot, wer es noch etwas spektakulärer mag, kann auch per Helikopter aus Dubrovnik oder Tivat anreisen.
Die Zimmer verteilen sich über verschiedene Kategorien, von Adriatic Balcony Rooms über Sea Junior und Sky Suites bis zu den grosszügigen Panoramic Suites. Besonders spannend finden wir jene, die direkt in die historische Bausubstanz integriert wurden. Hier schläfst du nicht neben der Geschichte, sondern buchstäblich mittendrin.
Und dann ist da noch dieses eine Gefühl. Oder besser gesagt: dieser Duft.
Kaum öffnen wir die Zimmertür, ist er da. Unverkennbar Banyan Tree. Wer schon einmal in einem Haus der Marke übernachtet hat, kennt diesen Moment. Ein Atemzug genügt und plötzlich ist etwas vertraut, obwohl der Ort kaum ungewöhnlicher sein könnte. Ein bisschen wie nach Hause kommen, nur dass dieses Zuhause zufällig eine Festungsinsel mitten in der Adria ist.
Drinnen übernimmt dann Mamula selbst. Raues, unregelmässiges Natursteinmauerwerk bleibt sichtbar, darüber spannen sich geschwungene Decken, tiefe Fensternischen rahmen das Meer wie Bilder ein. Die Einrichtung hält sich angenehm zurück. Helles Holz, natürliche Farben, weiche Stoffe, skulpturale Sessel und Leuchten, deren warmes Licht am Abend über den Stein fällt. Selbst der schwarze, frei schwebende Kamin wirkt nicht wie ein Designstatement, sondern eher wie ein ruhiger Gegenpol zu einer Architektur, die schon hier war, lange bevor irgendjemand an Kingsize-Betten und Roomservice dachte.
Genau das gefällt uns. Nichts wurde auf Hochglanz getrimmt, nichts versucht, dem Gebäude seine Ecken und Kanten abzugewöhnen. Das Neue ordnet sich unter, ohne unsichtbar zu werden. Luxus darf hier leise sein, die Kulisse erledigt den Rest.
Dann entdecken wir auf dem schwarzen Marmortisch etwas, womit wir hier nun wirklich nicht gerechnet hätten: «Andermatt: A Vision for Swiss Alpine Living».
Wir müssen lachen. Ausgerechnet auf einer kleinen Insel vor Montenegro liegt ein Buch über jenes Schweizer Bergdorf, das ebenfalls eng mit Samih Sawiris verbunden ist. Der ägyptische Unternehmer steht hinter der Entwicklung von Mamula Island und hat mit Andermatt Swiss Alps auch dort ein touristisches Grossprojekt geprägt. Zufall oder nicht, der kleine Gruss aus der Schweiz fühlt sich hier draussen ziemlich charmant an. Natürlich blättern wir hinein.
Bei NineteenGolf.Guide stehen echte Erlebnisse im Mittelpunkt. Alle Bilder auf dieser Website stammen aus eigener Produktion und zeigen Hotels, Golfplätze, Restaurants und Destinationen so, wie wir sie selbst erlebt haben – authentisch, ungestellt und ehrlich. Die Fotos wurden vom Nineteen-Team aufgenommen und unterliegen unserem Urheberrecht. Eine Verwendung ist möglich, ausschliesslich mit Quellenangabe „© NineteenGolf.Guide“
Das Herzensprojekt von Samih Sawiris
2015 fliegt Samih Sawiris mit dem Helikopter über die Küste Montenegros. Der Unternehmer entwickelt zu diesem Zeitpunkt bereits Luštica Bay auf der gegenüberliegenden Halbinsel, als die Regierung ihm etwas zeigen möchte: eine verfallene Anlage auf einer winzigen Insel, die seit Jahrzehnten sich selbst überlassen ist.
«Er sah sie, verliebte sich und fing an, Fragen zu stellen», erzählt uns Marija. Offenbar waren es ziemlich viele Fragen. Denn daraus entstand zunächst die Idee einer Restaurierung und schliesslich ein Projekt, das sechs Jahre dauern sollte.
Für Marija ist Mamula deshalb mehr als eine weitere Investition von Sawiris. «Das ist sein Herzensprojekt», sagt sie. Durch Luštica Bay sei die Verbindung zu Montenegro bereits da gewesen, doch Mamula habe ihn persönlich berührt. Er wollte einen Ort schaffen, wie er ihn selbst als Gast erleben möchte, ohne dabei aus der historischen Kulisse einfach ein hübsches Luxushotel zu machen.
Bevor überhaupt gebaut werden konnte, wurde recherchiert. In Archiven quer durch Europa suchte man nach Plänen, Zeichnungen und Dokumenten, um möglichst genau zu verstehen, wie die Anlage ursprünglich ausgesehen hatte. Erst danach begann die eigentliche Restaurierung, eng abgestimmt mit den montenegrinischen Behörden, denn Mamula gehört zum geschützten Kulturerbe des Landes.
Die Insel wurde für 49 Jahre verpachtet. Danach fällt sie wieder an den montenegrinischen Staat, der dann auch darüber entscheiden kann, was mit den später hinzugefügten, nicht historischen Elementen geschieht.
Marija spricht darüber erstaunlich offen. «Montenegro hätte niemals das Geld gehabt, eine Festung so zu restaurieren», sagt sie und fügt gleich hinzu, dass dies ihre persönliche Meinung sei. Wenn wir heute durch die alten Gänge laufen und sehen, welcher Aufwand hier betrieben wurde, verstehen wir zumindest, was sie meint.
Mamula hiess übrigens nicht immer Mamula. Auf alten österreichischen Karten findet sich ein deutlich poetischerer Name: Lastavica, die Schwalbeninsel. Von einer kleinen romantischen Insel ist allerdings spätestens dann nicht mehr viel zu spüren, wenn du mitten in der Anlage stehst. Rund 80 Prozent der Fläche werden von dem mächtigen Bauwerk eingenommen. Es ist nahezu kreisrund und erstaunlich symmetrisch.
Und tatsächlich: Bögen, Gänge und Mauern spiegeln sich beinahe gegenseitig. Gebaut wurde die Anlage zwischen 1852 und 1856 unter Lazar Mamula, dessen Namen die Insel später übernahm. Entscheidend war damals nicht die Ästhetik, sondern der Überblick. Von praktisch jedem Abschnitt aus liess sich das Wasser beobachten. Für eine Garnison an diesem strategischen Punkt ziemlich praktisch, für Hotelgäste heute ebenfalls nicht ganz schlecht.
Kulinarik im Kamena Restaurant mit Blick auf die offene See
Zum Dinner sind wir im Kamena verabredet, oben auf dem Deck der historischen Festung. Von hier hast du den perfekten Rundumblick auf die Adria, vorbeiziehende Boote, die umliegende Küste und natürlich auf das, was sich langsam am Horizont ankündigt: den Sonnenuntergang. Unter uns liegen jahrhundertealte Mauern, vor uns nichts als Meer und auf den Tisch kommt eine lokal geprägte, angenehm bodenständige Küche. Viel mehr Logenplatz für ein Dinner geht eigentlich kaum.
Und dafür musst du nicht einmal Hotelgast sein. Auch externe Gäste können einen Tisch reservieren und für Lunch oder Dinner nach Mamula Island kommen. Da die Anreise naturgemäss übers Wasser führt, solltest du vorab reservieren und den Bootstransfer gleich mitorganisieren. Der Weg zum Restaurant gehört hier schliesslich schon zum Erlebnis.
Als wir Platz nehmen, steht die Sonne tief über der Adria. Das Licht wird weicher, die alten Steinmauern nehmen einen warmen Goldton an und vom Meer zieht eine frische, leicht salzige Brise herüber. Nach einem heissen Sommertag fühlt sie sich herrlich an. Am Horizont gleitet ein Segelboot vorbei, auf unserem Tisch flackert die erste Kerze und wir merken ziemlich schnell: Hier möchte gerade niemand irgendwo anders sein. Nur eine Möwe in unserer Nähe hat ganz andere Prioritäten und beobachtet unsere Snacks mit auffällig professioneller Konzentration.
Den Auftakt machen gebratene Jakobsmuscheln auf einer cremigen Basis, begleitet von knusprigem Speck und einem hellgrünen Kräuteröl. Danach folgt ein Rack of Lamb mit perfekt rosafarbenem Kern auf sämigem Risotto und geschmorten Tomaten. Dazu passt ein Rotwein aus der Region und natürlich der Brotkorb mit dunklem Sauerteigbrot und knusprigen Grissini.
Während wir essen, verändert sich draussen fast unbemerkt die Kulisse. Aus Gold wird Apricot, aus Apricot tiefes Blau. Die Hitze des Tages ist verschwunden, die salzige Luft streicht über die Terrasse. Und der Sonnenuntergang? Nicht bestellt, aber ganz eindeutig der schönste Gang des Abends.
Der Baum auf Mamula Island, der Wünsche sammelt
Am Ende unserer Tour kommen wir zu jenem Baum zurück, der uns schon bei der Anfahrt aufgefallen ist. Er steht allein in der Mitte der Insel und ist Marijas erklärter Lieblingsplatz. «Er hat eine völlig andere Energie», sagt sie und beginnt zu erzählen.
Vor rund drei Jahren war ein indischer Guru zu Gast auf Mamula Island. Viel wollte er offenbar nicht sehen. Eigentlich nur diesen Baum.
Er umarmte den Stamm, blieb eine Weile still stehen und bat danach darum, die alten Nägel zu entfernen, die darin steckten. Tatsächlich fand man mehrere davon. Sie wurden herausgezogen, der Baum anschliessend gesegnet und damit begann eine kleine Tradition, die bis heute weiterlebt.
Seitdem lädt Marija Gäste dazu ein, hier einen Wunsch zu machen. Allerdings nicht irgendeinen.
«Nicht den Fünf-Millionen-Dollar-Wunsch», sagt sie und lacht. Es soll etwas Persönliches sein, etwas, das wirklich Bedeutung hat.
Ob der Baum tatsächlich Wünsche erfüllt oder wir Menschen einfach besonders gut darin sind, an solche Geschichten glauben zu wollen, lassen wir offen. Marija erzählt uns jedenfalls, dass einige Gäste später zurückkamen und berichteten, ihr Wunsch sei tatsächlich in Erfüllung gegangen.
Und natürlich stehen wir am Ende selbst vor dem Baum.
Was wir uns gewünscht haben, verraten wir nicht. Ausser vielleicht, dass wir wiederkommen dürfen. Alles andere bleibt lieber zwischen uns und dem Baum. Man muss sein Glück schliesslich nicht gleich beim ersten Versuch herausfordern.
Mehr Montenegro entdecken: Unsere Geschichten rund um die Boka Bay
Mamula Island war nur einer unserer Stopps in Montenegro. Wir sind mit dem Boot durch die Boka Bay gefahren, durch Kotor gestreift, haben in Luštica Bay eingecheckt, uns durch die Restaurants an der Marina probiert und hoch über der Adria sogar schon die ersten Löcher des neuen Golfplatzes gespielt.
Kulinarik in Luštica Bay – Front Row an der Marina
Der Himmel über der Bucht wechselt gerade von Apricot zu tiefem Blau, die Masten der Segelyachten stehen schwarz vor dem
Boka Bay in Montenegro: Bootstour zu Our Lady of the Rocks, Perast und Kotor
Wir sitzen im Bug, der Fahrtwind zieht uns förmlich die Sonnenbrille von der Nase, und vor uns liegt sie in
Restaurant-Tipp Forza Kuk: Dinner mit Sonnenuntergang über der Bucht von Kotor
Wir sagen es gleich vorweg: Das ist der schönste Sonnenuntergang, den wir seit Langem gesehen haben. Und das Forza Kuk
The Chedi Luštica Bay: Wo der Luxus barfuss geht
Meerblick am Morgen, barfuss zum Lunch, Malvasia zum Sonnenuntergang und abends noch eine Runde durch die Marina: Im The Chedi